Geschrieben von

Anlegerschutz: Was Fintechs und Facebook gemeinsam haben 03/02/17. Viele „Robo Adviser“ sind attraktive Alternativen zu etablierten Banken und Vermögensverwaltern. Einige agieren jedoch geschickt im rechtsfreien Raum. Wo Anleger aufpassen sollten.

Finanzen| Ansichten: 121

Vorab: Ich kenne einige FinTech-Unternehmer persönlich und habe großen Respekt vor ihnen. Sie haben die Schwächen von Banken und Versicherungen – etwa den provisionsorientierten Vertrieb – frühzeitig erkannt und in bester „Game-Changer“-Manier innovative Geschäftsmodelle entwickelt, die derzeit immer mehr Kunden anlocken.

Das gilt zum Beispiel für mehrere „Robo Adviser“, über die Anleger in attraktive Finanzprodukte wie „Exchange Traded Funds“ investieren können – bequem und kostengünstig via Internet, ohne aufwändige Beratungsgespräche oder teure Fondsmanager.

Angesichts der wachsenden Bedeutung ist es aber – bei aller prinzipiellen Sympathie – höchste Zeit für einen Blick auf diejenigen Aspekte des Modells, die aus Anlegersicht kritisch sind. Das ist aus meiner Sicht zum Beispiel die Tatsache, dass einige „Robo Adviser“ nur als „Anlagevermittler“ firmieren. Und nicht etwa, wie man meinen könnte, als „Anlageberater“.

Vermittler und die Plattform-Ökonomie

Wenn Anleger Verluste einfahren, kann das einen großen Unterschied machen. Denn Vermittler müssen – anders als Berater – keine Produkte auswählen, die für ihre Kunden geeignet sind. Es reicht, wenn Anleger das Risiko einschätzen können. Die Chancen auf Schadensersatz sind deshalb oft überschaubar.

Das ist in Ordnung, solange Kunden wissen, was sie tun – oder unmissverständlich darauf hingewiesen werden. Einige „Robos“ bewegen sich aber in einer rechtlichen Grauzone, wie die WirtschaftsWoche im Januar in einem Beitrag herausgearbeitet hat (in dem ich mich auch äußern durfte).

Hier ist ein Habitus zu beobachten, der im Zeitalter des „Plattform-Kapitalismus“ immer stärker um sich greift: Ähnlich wie Plattform-Betreiber von Ebay bis Uber argumentieren einige FinTech-Manager, dass sie nur Mittler zwischen Anbietern und deren Kunden seien – und somit nicht dafür verantwortlich, dass Verbraucherschutzvorgaben eingehalten werden.

Wie FinTechs Verantwortung übernehmen

Um nichts Anderes geht es übrigens im Kern bei der Debatte um Facebook und Fakenews. Auch der US-Konzern pochte lange darauf, lediglich eine technische Plattform zu bieten, die Autoren und Leser zusammenbringt. Mit den Inhalten (also den Leistungen der „Anbieter“) habe man, selbst bei Rechtsverstößen, nichts zu tun, hieß es.

Immerhin: Facebook will Fake News nun eindämmen – und übernimmt damit zumindest ein Stück weit Verantwortung für das, was formal betrachtet lediglich vermittelt wird. Das erhoffe ich mir auch bei jenen „Robo Advisern“, die sich derzeit in einer rechtlichen Grauzone bewegen.

Und tatsächlich gibt es positive Signale: Immer mehr FinTechs firmieren als Vermögensverwalter, womit sie sich klaren Regularien unterwerfen. Damit folgen sie dem Beispiel der quirin-Bank-Tochter quirion, die dies von Anfang gemacht hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass quirin-Gründer Karl Matthäus Schmidt als „Game-Changer“ Maßstäbe setzt: 1994 gründete er mit Consors den ersten relevanten Online-Broker Deutschlands.

Kommentar verfassen

Send this to friend