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Scoring: Was ich mir von der Schufa wünsche 10/02/17. Die Schufa hat blendende Zahlen für 2016 vorgelegt. Die wachsende Marktmacht ist jedoch gefährlich – zumal Bonitätsprüfer bald größere Freiheiten im Umgang mit unseren Daten genießen.

Datenschutz im Netz, Finanzen| Ansichten: 624

Ich weiß: Eigentlich darf sich das Geburtstagskind was wünschen. Doch zum 90. Geburtstag der Schufa, die 1927 von einem Berliner Energieversorger gegründet wurde, habe ich ein dringendes Anliegen. Ich wünsche mir von der Jubilarin mehr Transparenz.

Um das zu erläutern, muss ich kurz ausholen: Die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ ist eine wichtige und mächtige Instanz. In ihrer Datenbank sammelt sie Informationen über 66,4 Millionen Personen und 5,2 Millionen Unternehmen, auf deren Basis sie Bonitätsnoten („Scorewerte“) verteilt. Wer schlecht abschneidet, kann große Probleme bei Krediten, Handyverträgen oder Online-Bestellungen bekommen.

Anders ausgedrückt: Die Schufa kann uns schlimmstenfalls einen Strich durch die Lebensplanung machen.

Falsche Score-Werte sind eine Gefahr für Mittelständler

Deshalb ist es äußerst wichtig, dass sie korrekt arbeitet. Doch Analysen zeigen: Die Schufa hat eine hohe Fehlerquote; laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 ist jede vierte Auskunft falsch oder veraltet. Damit besteht die Gefahr, dass Menschen oder Unternehmer zu Unrecht keinen Kredit bekommen (oder schlechte Konditionen in Kauf nehmen müssen).

Im Marktvergleich steht die Schufa übrigens noch gut da. Bei anderen Auskunfteien ist die Fehlerquote meist deutlich höher: Im Rahmen eines „Score-Check“ haben wir in den letzten Monaten für etliche Mittelständler abgefragt, welche Daten gespeichert sind und wie ihr Score ausfällt. Dabei sind wir auf zahlreiche Ungereimtheiten und teils hanebüchene Fehler gestoßen.

Solche Versäumnisse sind für Unternehmen brandgefährlich; neben abgelehnten oder überteuerten Krediten drohen bei schlechten Bonitätsnoten Auslistungen und Niederlagen bei Ausschreibungen.

Geo-Scoring: Welche Daten dürfen Auskunfteien nutzen?

Angesichts dieser Marktmacht meine ich: Schufa, Creditreform & Co. sollten mehr Transparenz walten lassen. Es reicht nicht, dass sie offenlegen, welche Daten sie über Personen und Unternehmen speichern. Sie sollten auch Auskunft geben, wie sie die Noten berechnen und mit welcher Gewichtung einzelne Daten einfließen (anstatt sich weiter darauf zu berufen, der – und sich nicht länger darauf berufen, dies sei ein Geschäftsgeheimnis.

Notfalls sollte der Gesetzgeber aktiv werden. Der ist meines Erachtens sowieso gefragt: Wir brauchen dringend klare Vorgaben, welche Daten beim Scoring verwendet werden dürfen. Schließlich lässt die EU-Datenschutzgrundverordnung, die bis Mai 2018 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, Bonitätsprüfern mehr Spielraum; so könnte das umstrittene Geo-Scoring, bei dem der Wohnort zu einem pauschalen Kriterium für die Bonität wird, schon bald häufiger zum Einsatz kommen.

Wer in einem sozialen Brennpunkt lebt, bekäme dann womöglich genau aus diesem Grund keinen Kredit für eine Wohnung in einer besseren Gegend. Diese Scoring-Methode ist damit nicht nur ein juristisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Denn sie kann den sozialen Aufstieg von Menschen verhindern.

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