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Datenschutz: Es geht (auch) ums Geld! 09/03/17. Manch einer hält Datenschutz für ein Idealisten-Thema. Wer nichts zu verbergen hat, so die Logik, hat auch nichts zu befürchten. Das ist falsch, wie das Thema „personalisierte Preise“ eindrucksvoll zeigt.

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Kunden, die freizügig Informationen über sich preisgeben, müssen höhere Preise zahlen. Das ist die Quintessenz eines Trends, den die WirtschaftsWoche in ihrer jüngsten Titelgeschichte anschaulich erklärt („Und was zahlst Du? Personalisierte Preise durch Big Data: Das wird teuer“).

Die Autoren zeigen, dass Anbieter ihre Preise immer öfter personalisieren. Da werden Kunden, die vom PC aus kaufen, höhere Preise angezeigt als jenen, die via Smartphone auf der Internetseite landen.

Aufschläge sind auch möglich, wenn sie vorher auf Seiten von Luxusgütergerstellern surften oder teure Tablets benutzen. Denn das werten die Anbieter ebenfalls als Indizien für eine höhere Zahlungsfähigkeit und/oder -bereitschaft – vermutlich oft zu Recht.

Individuelle Inflationsraten für Gutverdiener?

Klar ist: Je mehr Informationen sie über ihre Kunden sammeln (zum Beispiel durch „Webtracking“) und mit Big-Data-Analysen auswerten (dürfen), desto besser können sie ebenjene Zahlungsbereitschaft einschätzen und „abschöpfen“, wie die Volkswirte das nennen.

Das, liebe Leser, bedeutet nichts Anderes, als dass Sie für Dinge, die ihnen lieb und teuer sind, künftig höchstwahrscheinlich mehr bezahlen müssen. Für Schnäppchenjäger brechen damit schlechte Zeiten an. Und sollten sie zu den Gutverdienern gehören, droht ihnen unabhängig von Präferenzen höhere Preise und damit sozusagen eine individuelle Inflation.

Die WirtschaftsWoche-Autoren werfen in diesem Zusammenhang treffend die Frage nach „progressiven Preisen nach dem Vorbild progressiver Einkommensteuern“ auf.  Umverteilung durch die Wirtschaft? Sind Kapitalisten künftig die wahren Robin Hoods?

Erst umdenken, wenn man es im Geldbeutel spürt?

Ich hoffe jedenfalls, dass der Trend zum persönlichen Preis manchen zum Umdenken bewegt. Denn erstaunlicherweise sind es vor allem Wohlhabende, die Datenschutz-Engagement gerne als Idealismus belächeln – selbst in (meiner) Bürgerrechtspartei FDP (wobei dieser Habitus zuletzt erfreulicherweise wieder seltener geworden ist).

Und vielleicht überdenken ja noch mehr Gutsituierte ihre Position, wenn sie die Folgen laxen Datenschutzes im eigenen Geldbeutel spüren. Das könnte dann endlich für den nötigen Rückhalt sorgen, um exzessiver Datensammelei im Netz wirksame Grenzen zu setzen.

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