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Digitalisierung: Vertrauen ist der entscheidende Erfolgsfaktor 17/03/17. Während wir über technische Möglichkeiten und juristische Grenzen diskutieren, gerät oft in Vergessenheit: Entscheidend für den Erfolg digitaler Innovationen ist das Vertrauen der Menschen. Und daran hapert es.

Automobil, Datenschutz im Netz| Ansichten: 343

Am Mittwoch trafen sich rund 300 Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden in Berlin zum „G-20 Consumer Summit“, um über aktuelle Herausforderungen im Verbraucherschutz zu diskutieren. Wie wichtig das Thema auch für die Wirtschaft ist, zeigen aktuelle Umfrageergebnisse, die der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) pünktlich zum Gipfel präsentierte.

Die zentrale Erkenntnis: 49 Prozent der Deutschen haben nicht das Gefühl, dass ihre Rechte in der digitalen Welt ausreichend geschützt werden. Das zeigt, wie weit verbreitet Ängste vor Abzocke, Spionage und einer massiven Beeinträchtigung der Privatsphäre sind.

Das Ergebnis sollte nicht nur den politisch Verantwortlichen, sondern auch Managern zu Denken geben. Zu Recht hat Amanda Long vom Dachverband Consumer International (CI) anlässlich des Gipfels darauf hingewiesen, dass Verbraucher „das Wachstum der digitalen Wirtschaft vorantreiben“ – und dass dieses Wachstum ins Stocken geraten kann, „wenn Verbraucher kein Vertrauen in die angebotenen Produkte und Dienstleistungen haben“.

Keine Innovation ohne Vertrauen

Frei adaptiert nach Bill Clinton könnte man sagen: It’s the confidence, stupid!

Wenn ich die Diskussionen auf Branchentreffen – zum Beispiel der Automobil-Industrie – verfolge, habe ich jedoch den Eindruck, dass sich diese Erkenntnis vielerorts noch nicht durchgesetzt hätten, Fast immer geht es ums technisch Machbare und ums juristisch Zulässige, aber nur selten um die Kunden und ihre Erwartungen an Datenschutz und -sicherheit.

Dabei sollte den Verantwortlichen klar sein: Vertrauen schafft man nicht (nur), indem man Gesetze einhält. Sondern durch Haltung und Respekt vor den Kunden. Oder salopp ausgedrückt: Indem man die Sache vom Kunden her denkt.

Ich bin überzeugt, dass eine solche Herangehensweise in vielen Fällen zu dem Ergebnis führt, dass die Unternehmen bessere Lösungen für Datenschutz und Datensicherheit brauchen – und zwar unabhängig von gesetzlichen Vorgaben.

Fortschritt sichern, Menschen schützen

Dabei sind Lösungen gefragt, „die den Fortschritt nicht bremsen, aber Menschen davor schützen, ausspioniert zu werden“, wie es Justiz-Staatssekretär Gerd Billen in dieser Woche auf den Punkt gebracht hat.

Die gute Nachricht ist: In vielen Bereichen liegen bereits Vorschläge auf dem Tisch, die innovative Technologien und Geschäftsmodelle nicht behindern, sondern zukunftssicher machen sollen; ich denke da beispielsweise an Trust-Center für Daten von Autofahrern.

Manager sollten solche Ideen jedenfalls nicht als Indiz für Regulierungswut verhöhnen, sondern als willkommene Impulse. Die Ergebnisse der vzbv-Umfrage zeigen, dass dies dringend nötig wäre.

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