Geschrieben von

Gesundheit: Digitalisierung oder Privatsphäre? Beides, bitte! 31/03/2017. Nirgends geht es um derart sensible Informationen wie im Gesundheitswesen. Dennoch darf der Datenschutz Innovationen nicht ausbremsen. Wir brauchen moderne, fortschrittsfreundliche Standards.

Datenschutz im Netz, Gesundheit, IT-Recht| Ansichten: 454

Es gibt wohl kaum persönlichere Informationen als die über den Gesundheitszustand, körperliche Auffälligkeiten oder gar genetische Besonderheiten. Deshalb steht völlig außer Frage, dass es bei der aufkeimenden Digitalisierung des Gesundheitswesens in ganz besonderem Maße um Datenschutz und Datensicherheit gehen muss.

Zugleich sind aber auch die Chancen der Digitalisierung nirgends so groß – für jeden Einzelnen von uns, aber auch für die Gesellschaft. So können Big-Data-Analysen und schnelle Ferndiagnosen via App Leben retten und zugleich die Effizienz deutlich steigern. Auf diese Weise hat die Digitalisierung das Potenzial, zur Lösung eines zentralen Problems in einer alternden Gesellschaft beizutragen.

Zudem zeigt eine aktuelle BITKOM-Umfrage, dass die meisten Menschen den neuen Technologien offen gegenüberstehen. So nutzen 45 Prozent der Smartphone-Besitzer Gesundheits-Apps wie Fitnesstracker; weitere 45 Prozent können sich das vorstellen. Zugleich offenbart die Umfrage großes Interesse an digitalen Patientendaten; so befürworten 60 Prozent die elektronische Patientenakte.

Sagt Euren Patienten, wofür Ihr die Daten braucht

Im Gesundheitswesen sind deshalb in ganz besonderem Maße moderne Datenschutz-Standards erforderlich, die Innovationen nicht abwürgen und zugleich die Privatsphäre schützen.

Für Letzteres müssen zwei Grundprinzipien erfüllt sein: Transparenz und Datenhoheit. Das bedeutet, dass App-Anbieter, Krankenhäuser und andere Dienstleister ihre Kunden und Patienten detailliert aufklären müssen, welche Daten sie erheben und wofür sie sie nutzen (wollen). Zudem müssen die Betroffenen selbstverständlich widersprechen dürfen.

Ich bin überzeugt, dass wir innovativen Anbietern damit nicht zu viel abverlangen – zumal auf diese Weise bei vielen Patienten erst das notwendige Vertrauen entstehen, um sich auf neue Methoden einzulassen und womöglich auch eine wohldosierte Weitergabe von Informationen zu erlauben, zum Beispiel in anonymisierter Form für Big-Data-Analysen.

Dieses Vertrauen ist aktuell aber noch nicht vorhanden, wie die BITKOM-Umfrage zeigt. So können sich derzeit nur 31 Prozent eine „telemedizinische Überwachung“ des Gesundheitszustandes vorstellen.

Spannende Initiativen, höhere Sensibilität

Immerhin: Nach meinem Eindruck haben viele Verantwortliche erkannt, wie wichtig Vertrauen in diesem Zusammenhang ist. So beziehen Ärztekammern, innovative Mediziner und Krankenhäuser, die spannenden neue Angebote planen oder bereits entwickeln, frühzeitig Datenschützer und IT-Rechtler ein.

Ein weiterer Indikator für die höhere Sensibilität ist für mich, dass Datenschutz-Beauftragte in vielen Firmen der Gesundheitsbranche eine zentrale Rolle einnehmen und oft auf höheren Hierarchiestufen angesiedelt sind als noch vor wenigen Jahren. Diesen Eindruck gewinnen wir jedenfalls bei unseren „Seminaren für Datenschutzbeauftragte“, die wir in Kooperation mit dem Institut für Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen (ISDSG) anbieten.

Es tut sich also was in der Branche, und ich bin sicher, dass das schon bald stärker nach außen sichtbar wird – in Form spannender, datenschutzkonformer Innovationen.

Hinweis in eigener Sache: Wer sich ausführlich über das Spannungsfeld zwischen Privatsphäre und Innovation informieren will, sei auf das Praxisbuch „Datenschutz im Gesundheitswesen“ hingewiesen (herausgegeben von Professor Thomas Jäschke von der Datatree AG). Zu den Autoren gehören meine Kanzlei-Partner Gerhart Baum, Olaf Methner und ich.  

Kommentar verfassen