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Scoring & FinTechs: Wie Kredit-Portale Ihre Bonität prüfen 07/04/2017. Wie schnell füllen Sie die Online-Maske aus? Wie präsentieren Sie sich auf Facebook? Solche Faktoren können darüber entscheiden, ob Sie kreditwürdig sind.

Datenschutz im Netz, Finanzen, IT-Recht| Ansichten: 1876

Ich habe das Gefühl, das „Crowdlending“ das nächste große Ding wird. Im Gegensatz zum „Crowdinvesting“ in hippe Startups, über das viel gesprochen und geschrieben wird, haben Kredite von der „crowd“ bereits echte ökonomische Relevanz entwickelt: Auf über zehn Plattformen können Privatleute und Unternehmen um Darlehen buhlen, pro Jahr fließt ein dreistelliger Millionenbetrag.

Und in diesem Jahr geht’s erst richtig los; Gründer von Crowdlending-Plattformen berichten von hohem Wachstum und machen etablierten Banken zunehmend Konkurrenz.

Der große Vorteil der Kredit-FinTechs, gerade im Geschäft mit Unternehmen: Sie entscheiden binnen weniger Tage über Kreditanträge, einige brauchen maximal 48 Stunden. Dazu müssen sie bei der Bonitätsprüfung neue Wege gehen – schließlich bleibt kaum Zeit, Unterlagen und Geschäftsideen zu prüfen.

Senken flapsige Facebook-Posts die Kreditchancen?

Deshalb setzen sie auf weitgehend automatisierte Prozesse. Zwar gibt es meist einige Kreditanalysten aus Fleisch und Blut, die hochgeladene Unterlagen der Unternehmen prüfen. Doch parallel dazu läuft eine detaillierte automatisierte Analyse; bisweilen wird bereits registriert, wie schnell Antragsteller die Online-Maske ausfüllen, ob sie dabei Rechtsschreibfehler machen und wie oft sie sich korrigieren.

Hinzu kommen elektronische Abfragen bei Auskunfteien wie der Schufa sowie beim Handelsregister, und bei einigen gehört sogar ein automatischer Check des Auftretens in sozialen Netzwerken zum Procedere.

Für Unternehmer hat die Schnelligkeit also ihren Preis; sie müssen damit rechnen, digital durchleuchtet zu werden. Ein Paradigmenwechsel? Naja. Auch Banker recherchieren bisweilen in sozialen Netzwerken, und auch sie achten auf das Verhalten des Antragstellers – nur dass sie ihre Eindrücke im persönlichen Gespräch gewinnen und keine Software installieren, die das Ausfüllen einer Online-Maske trackt.

Wie weit gehen die Kredit-FinTechs?

Pauschalkritik an den FinTechs halte ich deshalb für unangebracht. Aber ich fürchte, dass einige sehr weit gehen. Zu weit? Der Rubikon wäre für mich zum Beispiel überschritten, wenn sie auf das „Geo-Scoring“ setzen, bei dem der Wohnort zum pauschalen Kriterium für die Bonität wird. Infolge neuer EU-Vorgaben haben Unternehmen vermutlich bald mehr Spielraum, diese Methode einzusetzen, die aus meiner Sicht diskriminierend wirken kann.

Klar ist für mich auch: Je mächtiger und relevanter die Kredit-Portale werden, desto höhere Anforderungen an Transparenz müssen sie erfüllen. Zwar kann ich verstehen, wenn sie ihre Methoden zur Bonitätsprüfung nicht im Detail offenlegen wollen – schließlich ist die Qualität der Prognosen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor in der Branche.

Aber ein paar Sachen dürfen Antragsteller schon erwarten. Zum Beispiel, dass sie darüber aufgeklärt werden, welche Quellen FinTechs bei der „digitalen Durchleuchtung“ nutzen. Und dass sie ihre Methoden mit Datenschutz-Experten diskutieren. Ergänzend wäre ein Ombudsmann denkbar, der auf Antrag prüft, auf welchen Daten die Ablehnung eines Antrags beruht – und ob bei deren Erhebung alles mit rechten Dingen zuging.

Das wäre ein starkes Signal.

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