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Gesundheitsdaten: Spione am Handgelenk 28/04/2017. Eine Studie zeigt: Anbieter von Smartwatches, Fitness-Armbändern und -Apps sammeln fleißig Daten – und leiten sie an Dritte weiter. Wer erfährt, wie gesund Sie sind?

Datenschutz im Netz, Gesundheit| Ansichten: 359

Klar, sogenannte „Wearables“ – also etwa Smartwatches oder Fitness-Armbänder – sind eine tolle Sache. Sie erfassen Informationen wie den Puls, die zurückgelegten Kilometer und die Schlafdauer und -qualität – und senden die Daten an eine App, die sie automatisch auswertet. Das lässt wichtige, womöglich sogar lebenswichtige Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu.

Der Haken an der Sache: Die Daten bleiben nicht auf Ihrem Smartphone. In einer aktuellen Studie hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) herausgefunden, dass die meisten Anbieter Informationen an Dritte weiterleiten – und dabei deutsches Datenschutzrecht ignorieren. Neun Unternehmen haben die Verbraucherschützer deshalb abgemahnt, darunter Apple, Garmin und Runtastic.

Das ist richtig und wichtig, weil es um mitunter hochsensible Daten geht, die detaillierte Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zulassen (und somit etwa für Arbeitgeber oder Krankenkassen hochinteressant wären). Sogar Bewegungsprofile sind möglich, weil nach Erkenntnissen der VZ NRW nur wenige Wearables „vor ungewollter Standortverfolgung (Tracking) geschützt sind“.

Anbieter verschleiern, wer die Daten bekommt

Zwar gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass Gesundheitsdaten – womöglich auf verschlungenen Pfaden – zu Krankenversicherern oder Arbeitgebern gelangen (sie werden offenbar vor allem für personalisierte Werbung genutzt).

Garantien gibt es allerdings keine. Besonders bedenklich finde ich, dass viele Anbieter ihre Kunden im Unklaren lassen, was mit den Daten passiert – und sich selbst große Freiheiten einräumen. So behalten sich sechs Unternehmen sogar vor, die Datenschutz-Erklärungen jederzeit und ohne aktive Information des Kunden zu ändern. Unglaublich!

Ich hoffe sehr, dass die Abmahnungen der Verbraucherschützer zu einer Änderung der Datenschutz-Praktiken führen. Gegenüber der Berliner Morgenpost hat mein Kanzlei-Partner Olaf Methner vor einigen Wochen bereits darauf hingewiesen, dass im Grundsatz „eine ausdrückliche, schriftliche, auf konkrete Daten bezogene und jederzeit widerrufbare Einwilligung des Betroffenen“ erforderlich ist.

Doch es geht beim Thema Gesundheitsdaten um mehr als rechtliche Fragen. Denn die VZ-Studie zeigt auch, dass viele Deutschte misstrauisch sind: Nur vier von zehn halten Online-Dienste für vertrauenswürdig; fast 80 Prozent stört es, dass sie keine Kontrolle über ihre Daten haben. Statt mit Daten schnelle Zusatzerlöse zu generieren, sollten die Anbieter deshalb lieber Vertrauen aufbauen.

Denn wer will schon einen Spion am Handgelenk tragen?

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