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Von Diesel-Gate zum Diesel-Crash: Wer zahlt für Verluste? 19/05/2017. Auto-Experten warnen vor dramatischen Wertverlusten bei Dieselfahrzeugen. Der VW-Konzern behauptet derweil unverdrossen, mit dem Software-Update seien alle Probleme aus der Welt geschafft. Das ist dreist.

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Wenn Ihr Dieselfahrzeug eine Aktie wäre, müssten sie jetzt dringend über einen Verkauf nachdenken. Denn nach Dieselgate drohen erhebliche Kursverluste, weil die Nachfrage sinkt. So ist der Diesel-Anteil bei privaten Autokäufen laut Handelsblatt von 36 Prozent Anfang 2016 auf 23 Prozent im April zurückgegangen.

Zudem zeigt das aktuelle „Diesel-Barometer“ des Analysehauses Deutsche Automobil Treuhand (DAT), dass die Vorbehalte wachsen: Jeder vierte Autofahrer würde im Moment keinen Diesel kaufen, weil er die Diskussion um Fahrverbote abwarten will.

Und die drohen längst nicht mehr nur in Stuttgart. Laut einer aktuellen Umfrage des Handelsblatts unter den 20 größten Städten erwägt die „große Mehrheit“ Diesel-Fahrverbote, um die „Gesundheit der Bevölkerung“ schützen.

+++Diesel-Besitzern droht „schmerzhafter Preisverfall“+++

„Das Risiko von zeitlich befristeten Durchfahrtsverboten ist hoch, das sollte man sich nicht schönreden“, sagt Ferdinand Dudenhöffer in einem aktuellen Interview. Der Autoexperte der Uni Duisburg-Essen warnt Diesel-Fahrer deshalb vor einem „schmerzhaften Preisverfall“.

Betroffene, rät er, sollten „genau überlegen, ob sie mit dem Auto weiter fahren wollen oder frühzeitig umsatteln“ – zumal nach der Bundestagswahl neues Ungemach drohe. „Die Kraftstoffsubventionen und andere Steuervorteile könnten gestrichen werden“, so Dudenhöffer. „Damit würden die Restwerte in die Knie gehen.“

Auch Besitzer der modernen Euro-6-Diesel seien betroffen. „Die sind keine Ausnahmen, denn der Stickstoff-Oxid-Ausstoß im Fahrbetrieb überschreitet die Grenzwerte bis zu 16-fachen.“ Tatsächlich zeigen aktuelle Studien eindrucksvoll, in welchem Ausmaß auch neue und vermeintlich saubere Diesel die Luft verpesten.

Umso ärgerlicher ist aus Sicht der betroffenen Autobesitzer, dass VW weiter so tut, als sei das Dieselgate-Problem mit Nachbesserungen und Software-Updates erledigt. Als handele es sich bei den Abgasmanipulationen um einen ganz normalen Sachmangel.

+++Saubere und wertstabile Autos? Von wegen!+++

Für mich ist klar: Der Konzern hat Kunden jahrelang vorgegaukelt, sie würden saubere und damit wertstabile Autos kaufen – und die wahren Emissionswerte mit Software-Tricks verschleiert. Das erfüllt meines Erachtens den Tatbestand der vorsätzlichen Täuschung, und viele Gerichte sehen das inzwischen genauso.

Diesel-Besitzer, die nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben wollen, haben somit zwei Möglichkeiten: Sie können die Rückabwicklung bzw. einen vergleichbaren Neuwagen verlangen – oder das Auto behalten und Schadensersatz fordern. Da VW Gespräche über einen außergerichtlichen Vergleich hartnäckig verweigert, bleibt Betroffenen nichts anderes übrig, als ihre Ansprüche gerichtlich geltend zu machen.

Erfreulicherweise bestehen jedoch gute Chancen, die Rechtsschutzversicherung in Anspruch zu nehmen oder das Kostenrisiko auf einen Prozesskostenfinanzierer zu übertragen. Für weitere Informationen bitte hier entlang.

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