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Digitalisierung: Wie „Robos“ den Verbraucherschutz aushöhlen 30/06/2017. Wenn Mensch und Maschine kooperieren, wächst die Gefahr von Haftungslücken – bei Unfällen selbstfahrender Autos genauso wie beim Robo Advice durch FinTechs.

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Ob beim autonomen Fahren oder bei „Robo Advisern“ für Privatanleger: Im Zeitalter der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz entstehen immer neue Kooperationsformen zwischen Mensch und Maschine. Und wer genauer hinschaut, wird feststellen, dass damit – bei allen Chancen und positiven Aspekten – stets die Gefahr von Haftungslücken einhergeht.

So versuchen die Autohersteller derzeit mit durchaus beachtlichem Lobbyaufwand, Haftungsrisiken beim autonomen Fahren umfassend auf die Kunden abzuschieben – nach dem Motto: Das Auto lenkt, der Fahrer haftet. Und manche Robo Advisor gerieren sich zwar als „Anlageberater“ – wollen juristisch betrachtet aber nur „Anlagevermittler“ sein, womit Kunden kaum Chancen auf Schadensersatz haben.

So unterschiedlich beide Konstellationen sind, so ähnlich ist das (mögliche) Ergebnis aus Kundensicht: Die Gefahr, dass sie auf etwaigen Schäden (am Auto oder in Form von Anlageverlusten) sitzen bleiben, wächst deutlich.

Schutz-Patron der Automobil-Industrie

Deshalb gilt es, jetzt die richtigen Weichen zu stellen, damit der Verbraucher- und Anlegerschutz im Zeitalter der Digitalisierung nicht aufgeweicht wird. Für FinTechs, die als Robo Adviser auftreten, sind die entsprechenden Regeln und Regularien bereits vorhanden – die Finanzaufsicht kann Anbieter, die als Berater auftreten, aber offiziell als „Vermittler“ firmieren, schon jetzt an die Kandare nehmen.

Beim autonomen Fahren ist dagegen der Gesetzgeber gefordert – wobei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sich bislang leider eher als Schutz-Patron der Auto-Industrie geriert und als Hoffnungsträger für verbraucherfreundliche Haftungsregeln vermutlich ausfällt.

Aber wenn auf den Gesetzgeber kein Verlass ist, bleibt immer noch der Kunde – und der Wettbewerb. Deshalb bin ich optimistisch, dass sich auf lange Sicht diejenigen Robo Adviser und Autobauer durchsetzen, die faire Haftungsregeln bieten.

Mit guten Gesetzen könnten die Verantwortlichen diesen Prozess aber deutlich beschleunigen – und manchen Anlegern und Autobesitzern Ungemach ersparen.

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