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Big Data: Wie Banken ihr Wissen über Sie versilbern 24/08/2017. Geldhäuser sitzen auf einem gewaltigen Datenschatz. Jetzt wollen sie damit Geld verdienen.

Datenschutz im Netz, Finanzen, IT-Recht| Ansichten: 489

Die HVB bietet ihren Kunden seit einigen Monaten einen neuen digitalen Service: Der FinTech-Partner MoneyMap analysiert auf Wunsch die laufenden Ausgaben auf dem Girokonto und sucht günstigere Anbieter – zunächst für Strom und Gas, in Zukunft auch für Mobilfunk-Verträge, Versicherungen und mehr.

Kommt es zum Vertragswechsel, erhalten die HVB und MoneyMap eine Provision vom neuen Anbieter. Das Kalkül ist klar: Angesichts des anhaltenden Zinstiefs brauchen Banken dringend neue Einnahmequellen.

Auch andere Geldhäuser arbeiten deshalb daran, die vielfältigen Informationen über ihre Kunden mit Big-Data-Methoden auszuwerten und zu versilbern; laut einem aktuellen Bericht der European Banking Authority (EBA) „nutzt eine wachsende Zahl von Finanzinstituten Kundendaten auf innovative Weise“.

Interessenkonflikte wie bei Finanzprodukten

In den letzten Wochen bin ich wiederholt gefragt worden, was ich von solchen Modellen halte. Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist gegen die HVB-Offerte zunächst wenig einzuwenden: Kunden müssen ausdrücklich zustimmen, bevor sie ihr Konto durchforsten lassen. Für mich käme das nicht infrage, aber ich kann mir gut vorstellen, dass mancher damit kein Problem hat (solange die Datensicherheit gewährleistet ist).

Das größere Problem sind aus meiner Sicht die Provisionen. Wie bei Fonds, Zertifikaten und anderen Geldanlagen besteht schließlich ein Anreiz, diejenigen Anbieter zu empfehlen, die die höchsten Vermittlungshonorare zahlen.

Zwar versichert MoneyMap: „Der Algorithmus, der den individuell besten Tarif für unsere Kunden errechnet, hat keinen Zugriff auf Provisions-Informationen“. Das klingt gut, löst den Interessenkonflikt aber nicht komplett auf. Schließlich wäre beispielsweise denkbar, dass Banken bei derartigen Modellen nur Anbieter in ihren Pool aufnehmen, die bestimmte Mindest-Provisionen zahlen – und die wirklich günstigen außen vor lassen.

Banken dürfen nicht zu Datenhändlern mutieren!

Die ehrlichere Lösung wäre deshalb aus meiner Sicht, wenn Kunden ein pauschales Entgelt für Konten-Analyse und Vertragsvermittlung zahlen – ganz nach dem Vorbild der Honorarberatung in Finanz-Angelegenheiten.

Und der Datenschutz? Knifflig werden Modelle zur Datenversilberung aus meiner Sicht insbesondere dann, wenn Finanzdienstleister ihre eigenen Daten mit Informationen aus anderen Quellen kombinieren – zum Beispiel, indem sie soziale Netzwerke auswerten oder gar gezielt Daten zukaufen.

Dass dies laut EBA-Report immer häufiger vorkommt, finde ich deshalb besonders bedenklich. Banken sollten sich beim Streben nach innovativen Dienstleistungen und neuen Einnahmequellen nicht zu Profilern und Datenhändler entwickeln.

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