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Fonds & FinTechs: Wenn schon Index, dann richtig! 31/08/17. Fondsmanager, die lediglich den Index imitieren, täuschen ihre Kunden. Mit diesem Habitus wird die Branche nicht gegen aufstrebende Robo Adviser bestehen.

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Die Zahlen zu den größten Aktienfonds, die das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe präsentiert, sind erstaunlich und erschreckend zugleich. Denn sie zeigen: Viele vorgeblich „aktive“ Fonds bestehen überwiegend aus Aktien, die auch im jeweiligen Vergleichsindex enthalten sind; etliche Vehikel ähneln den Kursbarometern sogar frappierend.

Statt eigene Wege zu gehen und nach Perlen im Anlageuniversum zu suchen, setzen viele Manager also beharrlich auf Standardwerte – und stellen Anlegern dennoch üppige Gebühren von 1,5 bis zwei Prozent in Rechnung

Für mich sind dreiste Index-Imitationen ein klarer Fall von Täuschung. Schließlich steht von vorneherein fest, dass die Fonds kaum Chancen haben, nach Kosten besser abzuschneiden als der Index. Kunden würden deshalb in den allermeisten Fällen besser fahren, wenn sie gleich einen entsprechenden ETF kaufen, der mit 0,1 bis 0,2 Prozent nur einen Bruchteil der Gebühren kostet.

Freie Fahrt für Robo Adviser

Ich würde mir wünschen – und habe das auch dem manager magazin gesagt –, dass die BaFin in eindeutigen Fällen Sanktionen verhängt und dem Treiben ein Ende setzt. Bislang konnten sich die Aufseher nur zu strengeren Transparenz-Vorschriften durchringen; ab 2018 müssen Fondsanbieter deshalb explizit mitteilen, ob sie aktiv oder passiv managen. Eine halbherzige Lösung, finde ich.

Umso wichtiger, dass Wirtschaftsmedien wie das manager magazin die Branche kritisch beleuchten und somit ein zunehmend helles Schlaglicht auf das Treiben der Index-Schmuser werfen. Etwas Besseres könnte Online-Vermögensverwaltern (Robo Adviser) von quirion bis Scalable Capital kaum passieren. Denn sie setzen konsequent auf kostengünstige ETF – und bekommen nun weitere Argumente für die Vorteile ihres Modells frei Haus geliefert.

Ich bin sicher: Der Trend zur ETF-basierten Online-Vermögensverwaltung hat Disruptionspotenzial. So zeigen Umfragen unter Young Professionals, die wir für die jährliche FOM-Finanzberatungsstudie machen, dass die Jungen auch Finanzprodukte überwiegend online kaufen.

Die Robo Adviser werden von dieser Entwicklung profitieren – weshalb absehbar ist, dass der Marktanteil der ETF weiter wächst. Aktiv gemanagte Fonds haben deshalb nach meiner festen Überzeugung mittelfristig nur eine Chance, wenn sie sich deutlicher von ETF unterscheiden und realistische Aussichten auf eine Outperfomance bieten – auch nach Kosten.

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