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Diesel-Skandal: Die teuren Folgen der Software-Updates 19/09/2017. Immer mehr Autofahrer klagen über höhere Wartungskosten. VW muss das vielfach nicht stören: Umfassende Garantien hat der Konzern verweigert.

Automobil, IT-Recht, Politik| Ansichten: 14

Wenn es nach Herbert Diess geht, sind die Probleme marginal: Man verzeichne „im Verhältnis zu den erfolgten 1,2 Millionen Software-Updates sehr wenige Beanstandungen“, sagte der VW-Vorstand vor gut einer Woche in einem Interview mit der „ZEIT“.

Genauere Zahlen nannte er nicht – leider, denn mein Eindruck ist ein anderer: In den letzten Wochen haben mir mehrere betroffene Mandanten von Problemen wie zum Beispiel verrußten Motoren berichtet, die Werkstattbesuche notwendig machen. Schon wieder.

Die Bilanz der Updates fällt damit immer fragwürdiger aus. Nicht nur, dass sie in Sachen Emissionen vielfach wenig bringen – wodurch weiter Grenzwert-Überschreitungen, Fahrverbote und erhebliche Wertverluste drohen. Hinzu kommen jetzt noch höhere Wartungskosten und womöglich ein schnellerer Verschleiß. (Während, dass muss man immer wieder betonen, Kunden in den USA hohe Entschädigungen erhalten haben)

Verbraucherschützer erhöhen den Druck

Das hat inzwischen auch die europäischen Verbraucherschutzbehörden auf den Plan gerufen. In einem gemeinsamen Brief haben sie VW-Chef Matthias Müller Anfang September aufgefordert, rechtlich verbindlich zu garantieren, dass die Fahrzeuge durch die Nachrüstung keinen Schaden erleiden.

VW hat bislang lediglich zugesichert, dass elf Komponenten von der Abgasreinigung bis zur Treibstoffeinspritzung nicht unter der Nachrüstung leiden. Damit sind aber viele der aktuellen Probleme nicht abgedeckt. Zudem ist noch nicht geklärt, wie rechtsverbindlich die Zusage im Ernstfall ist.

Nachdem der Konzern seinen Kunden manipulierte Autos verkauft, Entschädigungen verweigert und lediglich halbherzig nachgerüstet hat, sollen die Betroffenen jetzt also auch noch etwaige Folgekosten der Software-Updates in weiten Teilen selber tragen. Geht’s noch?

Whistleblower: Wer weiß Genaueres?

In den bevorstehenden Prozessen – wegen der ablaufenden Verjährungsfrist reichen wir derzeit eine Vielzahl von Klagen für VW-Kunden ein (siehe auch www.vw-verhandlung.de) – dürften Wirksamkeit und Folgen der Software-Updates oft eine zentrale Rolle spielen. Wir interessieren uns im Rahmen unserer Prozess-Strategie deshalb auch für Hinweise auf erhöhte Wartungskosten, schnelleren Verschleiß und negative Auswirkungen auf die Leistung und/oder den Spritverbrauch.

Besonders spannend wären, jenseits von Erfahrungswerten im Einzelfall, aggregierte Informationen – etwa zur Häufigkeit bestimmter Probleme. In diesem Zusammenhang hoffen wir auf Hinweise von Insidern, für die wir ein vertrauliches Whistleblower-Portal eingerichtet haben.

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