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Vernetzte Autos: Erbitterter Kampf um die Daten 04/10/2017. Wer kontrolliert die Daten, die Fahrzeuge speichern? Die Autobranche will jetzt Konkurrenten ausstechen – mit einem wettbewerbsfeindlichen Konzept.

Automobil, Datenschutz im Netz, IT-Recht| Ansichten: 15

Mit dem Verkauf von Neuwagen, fürchten Autobauer, sind langfristig keine hohen Gewinne mehr zu machen. Schließlich wächst eine Generation heran, für die das Auto kein Statussymbol mehr ist und die immer öfter auf Carsharing und andere Mobilitätskonzepte setzt.

Umso wichtiger werden – neben dem lukrativen Reparatur- und Wartungsgeschäft – die Daten, die vernetzte Autos massenweise erheben und speichern. Doch auf diese hat es auch manch anderer abgesehen – Zulieferer beispielsweise, IT-Anbieter und auch Versicherungen, die immer öfter „Telematik“-Tarife offerieren, bei denen sich die Prämie am Fahrverhalten orientiert.

Im Kampf um die Daten gehen die Autohersteller jetzt in die Offensive. Ein offenbar in der Branche abgestimmter Plan sieht vor, dass die OBD-Schnittstelle („On-Board-Diagnose“) künftig während der Fahrt dichtgemacht wird. Bisher können Fahrer dort unkompliziert Daten auslesen, auch mit Hilfe spezieller Apps oder Telematik-Anschlüssen.

Stechen Autokonzerne die Versicherer aus?  

Stattdessen wollen die Autoersteller die Daten in Zukunft erstmal über eine gesicherte Mobilfunkverbindung an einen „neutralen Server“ schicken. Dort sollen sie dann kategorisiert und Interessierten zur Verfügung gestellt werden – mit Einwilligung des Kunden (es sei denn, die Weitergabe ist gesetzlich vorgeschrieben, etwa in Form einer Notruf-Funktion).

Das klingt erstmal ganz gut, zumal dadurch die Datensicherheit und auch die Transparenz steigen dürften. Der Haken ist jedoch: Auch wenn die Daten auf „neutralen Server“ gespeichert werden, hätten Autohersteller dem Konzept zufolge die volle Kontrolle. Und das ist aus meiner Sicht wettbewerbsrechtlich hochgradig bedenklich.

Schließlich können Hersteller sich oder verbundenen Unternehmen mit Hilfe der Daten große Vorteile verschaffen – zum Beispiel, indem sie Haltern auf Basis von Informationen über den Verschleiß eine Vertragswerkstatt empfehlen. Oder indem sie Daten über das Fahrverhalten nutzen, um ihnen maßgeschneiderte Versicherungen zu empfehlen – oder gleich selbst welche anzubieten.

Warum wir Trust Center für Daten brauchen

Kein Wunder also, dass insbesondere Versicherer und Inhaber freier KfZ-Werkstätten das Vorhaben misstrauisch beäugen. Ich meine: Wir brauchen eine unabhängige Instanz, die Zugang und Nutzung der Daten kontrolliert, um wettbewerbsfeindlichen und datenschutzrechtlich bedenklichen Praktiken vorzubeugen.

Denn auch, wenn die Autohersteller derzeit Großkanzleien in Stellung bringen, die anderweitig argumentieren: Die Daten gehören zuallererst den Kunden.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert deshalb unabhängige „Trust Center“  (auf Basis eines Gutachtens meiner Kanzlei zu den Risiken des vernetzten Fahrens). Sie sollen Fahrzeug- und Verkehrsdaten verwalten und eine Vermittlerrolle zwischen Dateninhabern und berechtigten Dritten übernehmen.

Ich bin überzeugt: Mittel- und langfristig wäre dies auch im Interesse der Automobil-Industrie. Denn wenn die Hersteller nicht nur als Abgas-Trickser, sondern auch noch als übermächtige Datenkraken gelten, dürfte mancher Kunde endgültig die Nase voll haben.

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