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Online-Banking: Vorsicht, Sie werden verfolgt! 16/10/2017. Eine Analyse zeigt: Banken lassen auf ihren Webseiten "Tracker" zu – und helfen Google & Co. damit beim Daten-Profiling. Das kann für Kunden teuer werden.

Datenschutz im Netz, Finanzen, IT-Recht| Ansichten: 21

In der ZEIT habe ich einen hochinteressanten Artikel mit der Überschrift „Vorsicht, Datensammler!“ gelesen. Der Autor berichtet darin von einer aktuellen Analyse, der zufolge etliche Banken und Finanz-Dienstleister auf ihren Webseiten sogenannte „Tracker“ zulassen.

Diese Programme, die meist von großen Werbekonzernen oder Web-Giganten wie Google stammen, verfolgen Nutzer durchs World Wide Web und zeichnen auf, welche Seiten sie besuchen, wie lange sie dort verweilen und was sie anklicken.

Das ist auf sensiblen Seiten mit Finanzinformationen natürlich besonders heikel, zumal die Tracker der Analyse zufolge bisweilen auch im Log-In-Bereich – also beim Online-Banking! – aktiv sind. Dies ist laut ZEIT zum Beispiel bei der Commerzbank der Fall.

Der Auftakt zur Preisdiskriminierung?

Sicher: Formal betrachtet werden sämtliche Daten anonymisiert erhoben. Aber viele Tracking-Anbieter speichern die IP-Adresse und können sie, theoretisch zumindest, einer konkreten Personen zuordnen. Wer sich beispielsweise bei einem Google-Dienst einloggt, liefert dem Unternehmen den Namen, der zur IP-Adresse gehört.

Unter welchen Voraussetzungen Google diese Informationen speichern und verknüpfen darf, ist rechtlich hochgradig umstritten. Aber darauf will ich hier nicht hinaus. Denn selbst, wenn keine Verknüpfung erfolgt, können Webtracker mit Hilfe der Infos von Bank-Webseiten besonders detaillierte Profile erstellen (auf Basis der IP-Adresse).

Und das kann teure Folgen für die verfolgten Nutzer haben. Zu Recht warnt die schleswig-holsteinische Datenschutz-Beauftragte Marit Hansen in der ZEIT: „Mit den Informationen der Tracker lässt sich einfacher abschätzen, wie zahlungskräftig und kreditwürdig ein Nutzer womöglich ist. Das führt über kurz oder lang in eine Welt der Preisdiskriminierung.“

Datenschutz: Es geht (auch) ums Geld!

Anders ausgedrückt: Wenn Banken Webtracker zulassen, tragen sie ganz entscheidend dazu bei, dass Datensammler immer besser über die Nutzer informiert sind. Und dieses Wissen verwerten die Online-Profiler – zum Beispiel, indem sie ihre Informationen an Online-Händler liefern, die damit ihre Preisstrategie optimieren können.

Das funktioniert, indem sie in ihren Webshops je nach Besucher bzw. IP-Adresse individuelle Preise anzeigen, um die maximale Zahlungsbereitschaft abzuschöpfen. Wer als zahlungskräftiger Mode-Junkie registriert ist, dürfte dann bei Schuhen, Shirts und anderen Klamotten kaum noch ein Schnäppchen machen können.

Das zeigt eindrucksvoll, dass Datenschutz nicht nur ein Thema für Bürgerrechtler und Idealisten ist, sondern eine handfeste wirtschaftliche Dimension hat: Wer bereitwillig Informationen preisgibt, zahlt drauf. Gerade Gutverdiener sind deshalb gut beraten, Webtracker zu blockieren. Zumal auf ihre Banken diesbezüglich kein Verlass ist. Selbst beim Online-Banking nicht.

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