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Smart-Home: Lebensabend im Überwachungsstaat? 24/10/2017. Vernetzte Wohnungen können älteren Menschen ein autonomes Leben erleichtern. Wie stark das zulasten der Privatsphäre gehen darf, ist nicht primär, aber auch eine juristische Frage.

Datenschutz im Netz, Gesundheit, IT-Recht| Ansichten: 12

Die Vorteile liegen auf der Hand: Sensoren in der Wohnung erkennen, wenn der Bewohner gestürzt ist – und aktivieren automatisch den Notruf. Türen und Schubladen öffnen sich automatisch und erleichtern den Alltag. Kühlschränke entlasten Vergessliche, indem sie automatisch nachbestellen.

Ähnlich wie das vernetzte Auto wird auch die digitale Wohnung (Smart-Home) unser Leben grundlegend verändern. Die Entwicklung schreitet derzeit mit Riesenschritten voran; und besonders profitieren werden Senioren, die sonst alleine nicht zurechtkämen und womöglich ins ein Pflegeheim umziehen müssten. Sie leben dadurch nicht unbedingt länger, aber länger autonom.

Natürlich hat das Ganze seinen Preis. Und zwar nicht nur materiell, sondern auch in Form einer eingeschränkten Privatsphäre. Denn Smarthome-Lösungen können eine Vielzahl von Daten erheben und speichern, die theoretisch zu detaillierten Bewegungs- und Handlungsprofilen zusammengeführt werden können. Zudem sind sie oft nicht ausreichend gegen Spähattacken von Hackern gesichert.

Heim oder Smart-Home – was für eine Wahl!

Das hat natürlich eine juristische Dimension, aber zuallererst eine menschliche. Denn Familienangehörige sind naturgemäß bestrebt, für maximale Sicherheit ihrer Eltern oder Großeltern zu sorgen. Die Privatsphäre scheint dann oft zweitrangig, und man drängt fürsorglich auf eine möglichst umfassende Vermessung des Senioren-Alltags.

Smarthome-Lösungen werden dabei immer neue und ausgereiftere Möglichkeiten bieten. Auch ohne eine Videokameras – die den meisten Senioren und auch deren Familien zu weit gehen dürften – wird mit ihnen eine umfassende (wenn auch subtilere) 24/7-Überwachung möglich.

Und machen wir uns nichts vor: Rechtliche Vorgaben zum Schutz der Privatsphäre werden häufig ins Leere greifen. Denn wenn Senioren vor der Wahl „Heim oder Smart-Home“ stehen, dürften die meisten bereitwillig weitreichende Einwilligungserklärungen unterschreiben.

Datenschutz: Per Knopfdruck zum „Silly-Home“

Hier ist deshalb erstmal nicht der Gesetzgeber gefragt, sondern die Familie. Meine persönliche Meinung: Solange es medizinisch vertretbar ist, gilt es, die Privatsphäre zu respektieren und nicht auf Maximalforderungen zu beharren. Auch unsere Senioren sollten schließlich nicht Sicherheit gegen Freiheit eintauschen müssen.

Aber auch die Wirtschaft ist gefragt – konkret die Anbieter von Smarthome-Lösungen. Sie müssen Anwendungen entwickeln, die den Schutz der Privatsphäre erleichtern. Ganz entscheidend ist hier aus meiner Sicht die Möglichkeit, die Datenerfassung und -speicherung jederzeit zu unterbrechen – und zwar auf Knopfdruck und nicht erst durch Klick-Orgien auf unübersichtlichen Displays. Das Smart-Home würde dann blitzschnell zum Silly-Home.

Ich gebe aber gerne zu: Hier muss der Gesetzgeber möglicherweise nachhelfen. Insofern wird das Thema über kurz oder lang auch ein juristisches.

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