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Ökonomie 4.0: „Alles beginnt mit dem Eigentum an Daten“ 30/10/2017. Erst ging es um Landbesitz, später um Maschinen und heute um die Daten, sagt der Philosoph Yuval Noah Harari. Klar ist: Der Verteilungskampf um letztere kommt in die heiße Phase - genau jetzt.

Datenschutz im Netz, IT-Recht, Politik| Ansichten: 14

„Daten sind das neue Öl“ ist eine ziemlich abgedroschene Floskel. Aber sie stimmt zumindest in einer Hinsicht: Wer die Daten hat – und weiß, wie er sie richtig einsetzt –, wird damit reich. So wie früher die Rockefellers und später die Öl-Scheichs.

Präziser hat den historischen Kontext jüngst der israelische Philosoph Yuval Noah Harari beschrieben. Lange Zeit, erklärte der frisch gebackene Träger des Wirtschaftsbuchpreises 2017 im Interview mit dem Handelsblatt, sei es in der Geschichte der Menschheit um den Landbesitz gegangen, später dann um „Produktionsmittel“, also Maschinen und Fabriken.

Die „wichtigste politische Fragestellung der Gegenwart“ laute inzwischen aber: „Wem gehören die Daten?“ Bedenklich sei, dass ein „verschwindend geringer Teil der Menschheit immer größere Datenmengen“ anhäufe, warnt Harari, Autor des Buches „Homo Deus – Eine Geschichte von morgen“.

Die Schlacht um IoT-Daten beginnt

Der Grund für die immense Bedeutung: Wer Daten zusammenführen und auswerten kann, weiß, wie die Menschen im digitalen Zeitalter ticken – und kann maßgeschneiderte Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Oder sein Wissen teuer an jene verkaufen, die dies ihrerseits versuchen wollen.

Und während früher erbittert um Land und Produktionsmittel gekämpft wurde (an letzterem, so Harari, „entzündete sich der Wettstreit zwischen Kommunismus und Kapitalismus“), wird nun mit wachsender Vehemenz um das „Eigentumsrecht an den Daten“ gestritten.

Sicher: Im klassischen World Wide Web haben sich längst Tech-Giganten wie Google und Facebook breitgemacht. Aber vor allem im Internet of Things (IoT), das Daten in exponentiell steigender Zahl liefert, hat der Streit um die Vorherrschaft gerade erst begonnen – und er wird auf juristischer und politischer Ebene gleichermaßen geführt.

Vorentscheidung bei den Autodaten?

Bestes Beispiel ist das vernetzte Auto: Deutsche Hersteller treiben derzeit einen Plan voran, der ihnen weitreichende Kontrolle über die Daten sichern soll, die moderne Autos erheben. Zugleich versuchen sie in Musterprozessen durchzusetzen, dass Dritte (in diesem Fall unabhängige Autoteile-Händler) nur beschränkten Zugriff erhalten.

Begleitet wird das – natürlich – von intensiver Lobbyarbeit. Ich fürchte: Wenn die konzertierte Aktion Erfolg hat, werden die Autokonzerne mittelfristig das lukrative Reparatur-, Wartungs- und Ersatzteil-Geschäft an sich reißen – zulasten von freien Werkstätten und anderen Mittelständlern (ähnlich, wie Google und Facebook den Verlagen das Geschäft mit der Online-Werbung abgeluchst hat).

Politiker, Kartellwächter sowie Daten- und Verbraucherschützer sind deshalb in den kommenden Monaten gefordert, auf Gefahren hinzuweisen und Vorentscheidungen zulasten von Privatautonomie und marktwirtschaftlichem Wettbewerb zu verhindern.

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