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Autonomes Fahren: Das Ende der KfZ-Versicherung 06/11/2017. Klassische Policen stehen vor dem Aus. Die spannende Frage ist: Werden die Autohersteller die Versicherungen aus dem Geschäft drängen – mit Hilfe ihres Daten-Monopols?

Automobil, IT-Recht, Politik| Ansichten: 17

„Die KfZ-Versicherung ist unser Verbrennungsmotor: Es wird sie noch eine ganze Weile geben, aber wir müssen neue Lösungen entwickeln.“ Das sagte ein hochrangiger Ergo-Manager in der WirtschaftsWoche-Ausgabe vom 27. Oktober (in dem Beitrag durfte ich mich auch äußern).

Der Vergleich passt wie die Faust aufs Auge. Denn hochautomatisierte Autos werden auch die KfZ-Versicherung massiv verändern. So verlieren persönliche „Schadensfreiheitsrabatte“ – bislang der zentrale Faktor für die Prämie – an Bedeutung. Auch die von der Branche als innovativ gefeierten Telematik-Tarife, bei denen die Prämie vom Fahrverhalten abhängt, werden peu à peu obsolet.

Stattdessen dürften sich Tarife zunehmend danach richten, wie zuverlässig das Autopilot-System ist – also die Technik. Und der nächste logische Schritt wäre dann, dass der Autohersteller die Versicherung übernimmt. Tesla zum Beispiel verkauft schon jetzt Autos, bei denen die KfZ-Versicherung sozusagen im Paket mit drin ist – allerdings noch in Kooperation mit Versicherern wie der Axa.

Huk Coburg fürchtet Daten-Monopol der Autobauer

Bald brauchen die Autohersteller aber womöglich keine Assekuranz mehr; sie könnten das Geschäft übernehmen und Autos selbst versichern. Schließlich haben sie Zugriff auf die Daten, die für die Kostenkalkulation entscheidend sind: Wie zuverlässig funktionieren Autopilot-Systeme? Wie häufig kommt es zu Crashs – und welche Schäden entstehen?

Zugriff und Kontrolle über die Fahrzeugdaten wollen sich die Autohersteller nun exklusiv sichern, indem sie zunächst auf einen externen Server übertragen. Anfang Oktober habe ich davor gewarnt, dass dies wettbewerbsrechtlich hochgradig bedenklich ist, weil die Hersteller mit Hilfe der Daten freie Werkstätten, Ersatzteil-Händler und Versicherer aus dem Markt drängen könnten.

Auch die Assekuranzen fürchten, aus dem Geschäft gedrängt zu werden – und reagieren zunehmend gereizt auf das Vorhaben: So hat der Vorstandssprecher der Huk Coburg, Klaus-Jürgen Heitmann, vor einem Datenmonopol der Autohersteller gewarnt. Auch der TÜV fordert, auf die Auslagerung der Daten zu verzichten – ist in dieser Frage aber nicht frei von Interessenkonflikten, weil er selbst eine Daten-Plattform aufbauen will.

Warum Mittelständler auf der Strecke bleiben könnten

Das zeigt erneut: Der Kampf um die Daten ist in vollem Gange – auf technischer, juristischer und politischer Ebene. Und überall liegen derzeit die Autobauer vorn. So fehlen im Gesetz zum autonomen Fahren, das die Große Koalition vor wenigen Monaten verabschiedet hat, effektive Datenschutz-Regeln wie etwa ein unabhängiges Trust-Center für die Autodaten.

Das dürfte auch erfolgreicher Lobbyarbeit zu verdanken sein. Ich hoffe deshalb, dass die nächste Regierung weniger Nähe zur Automobil-Industrie zulässt und ein Daten-Monopol verhindert. Sonst züchten wir in Deutschland Datenkraken heran – was nicht nur zulasten der Versicherungen, sondern auch des vielbeschworenen Mittelstands ginge (etwa in Form konzernunabhängiger Werkstätten).

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