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Verbraucherschutz: Das Ende der Schachtelsätze 09/12/2017. Die Datenschutz-Grundverordnung verschärft Informationspflichten und fordert eine „einfache und klare Sprache“. Für viele Juristen heißt es deshalb: umdenken. Ob das klappt?

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Wer regelmäßig Texte zu juristischen Themen liest, kennt sie zur Genüge: Kunstvolle Schachtelsätze, die Zeile um Zeile verschlingen, vor Fachbegriffen nur so strotzen und jenseits eingeweihter & hochkonzentrierter Kreise für ratloses Achselzucken sorgen.

Während man derlei Geschwurbel in Fachaufsätzen tolerieren mag, sind sie in Texten, die sich an die Öffentlichkeit richten, fehl am Platz. Und deshalb ist es erfreulich, dass die EU in der Datenschutz-Grundverordnung ein Signal setzt: Unternehmen müssen Kunden demnach „in einer klaren und einfachen Sprache“ informieren, wozu sie einwilligen und was mit ihren Daten geschieht.

Anders ausgedrückt: Schachtelsätze und Fachchinesisch sind künftig gesetzwidrig. Das sollten alle jene berücksichtigen, die jetzt mit Blick auf die Datenschutz-Grundverordnung im Auftrag ihrer Mandanten neue Einwilligungs- und Datenschutz-Erklärungen formulieren.

„Stark verschachtelte Sätze mit mehr als 100 Wörtern“

Ich bin jedenfalls schon sehr auf die Ergebnisse gespannt. Sollten die Texte tatsächlich verständlicher werden, wäre das ein wichtiger Fortschritt für den Verbraucherschutz.

Die Offensive in Sachen Verständlichkeit darf aber nicht auf den Datenschutz beschränkt bleiben – auch anderswo ist viel zu tun. So strotzen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) häufig vor kruden Formulierungen: „Die Sätze bestehen teilweise aus mehr als 100 Wörtern und sind stark verschachtelt“, kritisierte jüngst der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

Aber auch der Gesetzgeber muss umdenken, denn viele Paragrafen sind mindestens genauso unverständlich wie typische AGB-Klauseln. Der „Redaktionsstab Rechtssprache“ der Bundesregierung und das im 2013er-Koalitionsvertrag ausgerufene Ziel („Gesetze müssen einfach, verständlich und zielgenau ausgestaltet werden“) haben bislang jedenfalls nur überschaubare Fortschritte gebracht.

Hoffen wir deshalb, dass die nächste Bundesregierung mehr Schwung in die Sache bringt (wer auch immer ihr angehört).

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