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Facebook: Wie schlechter Datenschutz den Ruf ruiniert 23/03/2018. Der Skandal um Cambridge Analytica ist ein Lehrstück für all jene Manager und Politiker, die Datenschutz als lästiges bürokratisches Hemmnis oder Innovationsbremse sehen.

Datenschutz im Netz, IT-Recht, Social Media| Ansichten: 354

Ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der die Welt zu einem besseren Ort machen will, mitverantwortlich für die Wahl von Donald Trump? Diese Frage stellt sich mehr denn je, nachdem in dieser Woche ans Licht kam: Die Firma Cambridge Analytica, die im Wahlkampf für Trump arbeitete, hat sich damals Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern besorgt.

Laut Medienberichten haben die Analysten diese Daten genutzt, um Facebook-Nutzer zu Trump-Wählern zu machen. Konkret heißt das: Cambridge Analytica hat auf Basis detaillierter Personen-Profile Rückschlüsse auf politische Überzeugungen und Charakter-Eigenschaften gezogen – offenbar mit dem Ziel, Menschen im Wahlkampf gezielt anzusprechen („Micro-Targeting“).

Man könnte auch sagen: zu manipulieren. Dabei haben Cambridge Analytica und Trump davon profitiert, dass sich aus Facebook-Daten vieles ablesen lässt – von der sexuellen Orientierung über den IQ bis hin zu Kindheitstraumata. Das eröffnet beängstigende Manipulationsmöglichkeiten.

Wurzel des Übels: Mangelnder Respekt vor der Privatsphäre

Facebook legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um ein Datenleck handelt. Das lässt den Rückschluss zu, dass das Problem nicht die IT-Sicherheit ist, sondern der laxe Datenschutz ist. So weist Sascha Lobo darauf hin, dass sich die Daten 2014 „regulär gewinnen“ ließen.

Das zeigt: Wurzel des Übels ist eine Kultur des mangelnden Respekts vor der Privatsphäre der Kunden und ihrem Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Dieser Mangel führt dazu, dass Facebook besonders hemmungslos Daten sammelt, auswertet und für gezielte Werbung nutzt.

Um das nicht zu gefährden, setzt man auf freizügige und schwer zu handhabende Datenschutz-Voreinstellungen, wie Peter Schaar hier herausarbeitet.

Der Mangel an Respekt führt zudem dazu, dass Zuckerberg Geschäftspartnern leichtfertig Zugriff gewährt. Wie jenem Professor, der einen Psycho-Test programmierte, den 270.000 Facebook-Nutzer machten – und dafür ihr eigenes Profil öffneten. Dadurch konnte der Professor offenbar auch auf die Profile aller Facebook-Freunde zugreifen und die Daten an Cambridge Analytica verkaufen.

Facebook hat Werbung perfektioniert. Alles andere war zweitrangig.

Es ist deshalb richtig und wichtig, dass jetzt Regulierer in aller Welt aufwachen. Facebook ist schlicht zu mächtig geworden: mit der Attitüde „Wir stellen lediglich eine technische Plattform zu Verfügung und schauen zu, was Nutzer und Geschäftspartner daraus machen“ muss endgültig Schluss sein – sei es in Sachen Fake News, Propaganda oder Datenschutz.

Genau genommen „weiß nicht einmal Facebook selbst, wie Facebook funktioniert“, warnt Sascha Lobo. Das sei das „große Versäumnis“. Zuckerberg & Co. hätten ihre Maschinerie „unglaublich perfektioniert“, was Werbung angeht – und alles andere vernachlässigt. Der Fall zeigt damit einmal mehr: Facebook neben einem Kulturwandel auch mehr Mitarbeiter, die die Technik bändigen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis des Skandals ist, dass Menschen höchst empfindlich reagieren, wenn sie fürchten müssen ausspioniert oder gar manipuliert zu werden. Der Reputationsschaden für Facebook ist immens, der Aktienkurs schmierte ab. Das sei all jenen ins Stammbuch geschrieben, die Datenschutz in erster Linie als bürokratisches Hemmnis oder als Innovationsbremse sehen.

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