Geschrieben von

Paypal, IBM & Co: US-Konzerne entdecken den Datenschutz 13/07/2018. Immer mehr Tech-Manager betonen, wie wichtig ihnen die Privatsphäre ist. Sind das Lippenbekenntnisse oder weichgespülte Botschaften für deutsche Kunden? Warum ich optimistisch bin.

Datenschutz im Netz, IT-Recht, Politik| Ansichten: 82

Wer Managern von großen Tech-Unternehmen zuhört, erfährt immer öfter, wie wichtig ihnen der Datenschutz ist. So betonen etwa die Deutschland-Statthalter von IBM und Microsoft mit überraschendem Nachdruck, dass die Daten ihrer Kunden den Kunden gehören – und dass sie wert auf höchste Datenschutz-Standards legen.

Ins selbe Horn bläst PayPal-Chef Dan Schulman, der Anfang der Woche im Handelsblatt zu Protokoll gab, Datenschutz und Privatsphäre seien „essenziell für unsere Marke“. Der kalifornische Zahlungsdienstleister verleihe oder verkaufe Kundendaten „niemals an Dritte“ und nutze sie „ausschließlich dafür, Betrug zu verhindern und die Sicherheit zu erhöhen“.

Klar, werden jetzt einige von Ihnen sagen. Diese Dinge sagt man eben, wenn man mit europäischen Kunden, Anwälten oder Journalisten spricht – vor allem seit die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) den Datenschutz-Behörden die Möglichkeit zu harten Strafen gibt.

Digitalisierung und Datenschutz gehören zusammen

Dennoch spricht vieles dafür, dass es sich um mehr handelt als Lippenbekenntnisse oder weichgespülte Botschaften für den Alten Kontinent. Ich bin nach mehreren Gesprächen mit Verantwortlichen von Tech-Unternehmen sogar sicher: Zumindest diejenigen, die hierzulande am Ruder sind, haben die hohe Relevanz des Datenschutzes erkannt.

Und zwar nicht, weil sie harte Strafen fürchten, sondern weil sie wissen: Vertrauen ist ganz entscheidend, wenn es darum geht, Akzeptanz für neue Angebote schaffen – gerade bei europäischen Kunden. Ob sich hohe Investments in innovative Angebote von autonomen Fahrzeugen bis zu Smart-Home-Geräten refinanzieren, hängt hierzulande also wesentlich vom Datenschutz ab.

Die These, dass Digitalisierung und Datenschutz ein Widerspruch sind und dass die DSGVO ein großes Hindernis für Innovationen ist, teilen viele Tech-Manager jedenfalls nicht.

Die DSGVO als Exportschlager & Goldstandard

Ich bin nach den Gesprächen mehr denn je überzeugt, dass die DSGVO langfristig eine Art „Goldstandard“ und damit ein Wettbewerbsvorteil für Deutschland und die EU wird (so sieht es übrigens auch EU-Justizkommissarin Vera Jourova).

Denn überlegen wir mal: Privatsphäre ist vielen Kunden besonders wichtig – stört die anderen aber in der Regel nicht. Das spricht dafür, dass weltweit agierende Konzerne die europäischen Datenschutz-Standards implementieren, wenn sie neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln.

„Privacy by Design“ könnte damit zum weltweiten Standard werden – und „DSGVO-compliant“ zu einem Gütesiegel à la „Made in Germany“. Zumindest, wenn wir endlich aufhören, die Silicon-Valley-Legende vom veralteten europäischen Datenschutz nachzuplappern.

Kommentar verfassen