Geschrieben von

Diesel-Kompromisse: Verbraucherfeindlich und unsozial 23/09/2018. VW weigert sich unverdrossen, manipulierte Diesel-Autos auf eigene Kosten effektiv nachzurüsten. Und Unionspolitiker halten weiter schützend ihre Hand über den Konzern – mit faulen Kompromiss-Vorschlägen.

Automobil| Ansichten: 65

Demut gehörten noch nie zu den Stärken der VW-Verantwortlichen. Doch drei Jahre nach Dieselgate geben sie sich nicht mal mehr die Mühe, ob der dreisten Manipulationen einen zerknirschten Eindruck zu machen. „Es ist ausgeschlossen, dass die Autoindustrie selbst die Nachrüstungen machen wird“, wurde in dieser Woche der VW-Cheflobbyist Thomas Steg zitiert.

Nur zur Erinnerung: Die Software-Manipulationen haben den eigenen Kunden erheblichen Schaden zugefügt, weil der Wert der Diesel-Fahrzeuge angesichts drohender Fahrverbote deutlich sinkt.

Und daran ändern auch die Software-Updates nicht – zumal sie teure Nebenwirkungen in Form von schnellerem Verschleiß und entsprechend höheren Wartungs- und Reparaturkosten haben. Ich habe deshalb an dieser Stelle mehrfach gefordert, dass Volkswagen & Co. manipulierte Diesel-Autos auf eigene Kosten effektiv nachrüsten.

Wie die FDP ihre Pauschalkritiker Lügen straft

Erfreulicherweise sehen das viele Politiker ähnlich – auch in der SPD, die mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil einen VW-Aufsichtsrat stellt (sowie in meiner Partei, der FDP, die damit all jene Lügen straft, die ihr gerne pauschal Wirtschaftslobbyismus unterstellen).

Und was ist mit der Union? Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fällt zwar durch markige Worte auf, bleibt in der Sache aber genauso wachsweich wie sein Vorgänger Alexander Dobrindt. Er halte Hardware-Nachrüstungen „für den falschen Weg“, ließ Scheuer diese Woche wissen.

CDU-Wirtschaftsexperte Joachim Pfeiffer stimmte ihm zu – und brachte stattdessen Nachlässe oder Zuschüsse beim Autokauf ins Spiel. „Alternativ können die Hersteller einen Pool von Autos bereitstellen, damit die Autofahrer nicht unter Fahrverboten leiden“, so Pfeiffer

Wer sich kein Auto leisten kann, ist der Dumme

Hier offenbart sich ein mehr als zweifelhaftes Verbraucherschutz-Verständnis. Wer den Schaden hat, soll also nicht nachbessern lassen können – sondern stattdessen einfach ein neues Auto kaufen oder jedes Mal mit hohem Aufwand einen Wagen mieten, wenn er in die Stadt will? Geht’s noch?

Ein solcher „Kompromiss“ wäre zutiefst unsozial, weil nur jene von Nachlässen oder Zuschüssen profitieren, die sich ein neues Auto leisten können. Und er wäre deshalb auch Wasser auf die Mühlen linker und rechter Populisten, weil der – verheerende – Eindruck bliebe: Die Großen tricksen und kommen damit durch, und die Kleinen bleiben auf ihrem Schaden sitzen. sind die Dummen.

VW hat 2017 übrigens einen Rekordgewinn von mehr als elf Milliarden Euro erzielt und ist erneut auf Rekordkurs: Im ersten Halbjahr waren es bereits 6,6 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund erscheint es umso dreister, geschädigte Kunden derart auflaufen zu lassen.

Kommentar verfassen