Geschrieben von

Facebook: Warum ich trotz allem dabei bleibe 05/10/2018. Jaron Lanier nennt in seinem neuen Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst“. Damit verrät der Kämpfer gegen digitale Fremdbestimmung selbst ein totalitäres Weltbild.

IT-Recht, Politik, Social Media| Ansichten: 35

Ja, der Internet-Pionier Jaron Lanier wirft wichtige Fragen auf. Inwieweit manipulieren und lenken uns Google, Facebook & Co., indem sie personalisierte Werbung oder Filterblasen-Nachrichten einspielen und Suchergebnisse filtern? Darüber müssen wir weiter diskutieren und im Zweifel gegensteuern – für mich eine der wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Aufgaben dieser Zeit.

Aber müssen und sollten Kritiker zugleich ihre Accounts bei Facebook, Instagram oder der Google-Tochter Youtube löschen und einfach nicht mehr mitmachen, wie es Jaron Lanier in seinem neuen Buch propagiert?

Hinter dieser Empfehlung steckt nach meinem Empfinden ein Welt- und Menschenbild, das im Widerspruch zu liberalen Prinzipien steht. Lanier sieht Internetnutzer offenbar als willens- und ahnungslose Masse, die den Online-Giganten weitgehend schutzlos ausgeliefert ist.

Soziale Medien: verstehen statt verweigern!

Diese überhebliche Haltung, die mir unter selbsternannten Digital-Avantgardisten durchaus verbreitet zu sein scheint, offenbart sich zum Beispiel, wenn Lanier von einem „Geschäftsmodell der Massenmanipulation“ spricht.

Ich bin dagegen überzeugt: Wir alle werden immer besser verstehen, wie die Mechanismen bei Youtube, Facebook & Co. funktionieren – zum Beispiel, wenn es um die Auswirkungen von Algorithmen auf Nachrichten-Auswahl und Meinungsbildung angeht. Und wir werden zunehmend die richtigen Schlüsse ziehen. Denn wir sind ihnen eben nicht schutzlos ausgeliefert.

Deshalb ist es aus meiner Sicht keine Lösung, einfach nicht mehr mitzumachen: Neue Technologien oder Kommunikationsmittel zu ignorieren, statt die damit verbundenen Chancen zu nutzen, war noch nie eine gute Idee – zumal dass soziale Netzwerke wie Facebook und Youtube unser Leben ungemein bereichern können.

 

P.S. Hier finden Sie meine Profile auf Twitter, Facebook und Youtube, die ich trotz Laniers Aufforderung nicht löschen werde.

Kommentar verfassen