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Webtracking: Die ersten Verfolger geben auf 12/10/2018. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Zahl der Webtracker sinkt. Das ist ein Erfolg für den Datenschutz und die DSGVO – birgt aber eine große Gefahr.

Datenschutz im Netz, IT-Recht, Politik| Ansichten: 116

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich fand es immer ärgerlich, dass mich Unternehmen heimlich im Internet verfolgten und aufzeichneten, welche Seiten ich besuche. Deshalb begrüße ich, dass ich dafür seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in aller Regel meine Einwilligung erteilen muss – auch wenn sich einige Bekannte beschweren, dass sie nun öfter klicken müssen.

Noch erfreulicher: Die Neuregelung hat offenbar bereits dazu geführt, dass die ersten Verfolger aufgeben. Laut einer aktuellen Studie ging die Anzahl der Tracker in der EU zwischen April und Juli um 3,4 Prozent zurück, während sie in den USA um 8,3 Prozent zulegte. „Unterm Strich werden Nutzer innerhalb der EU tendenziell von weniger Trackern verfolgt“, lautet das Studienfazit.

Der Haken an der Sache ist allerdings, dass die Entwicklung ausgerechnet dem Daten-Giganten Google in die Karten zu spielen scheint. Das Unternehmen „profitiert indirekt von den Auswirkungen der DSGVO auf den Online-Werbemarkt in Europa“, schreiben die Studien-Autoren.

Teuer erkaufte Datenhoheit?

Denn Google habe die nötigen Ressourcen, sämtliche DSGVO-Vorschriften einzuhalten. Bei kleineren Werbepartnern würden Seitenbetreiber dagegen auf „Nummer sicher“ gehen – und sich im Zweifel von ihnen trennen.

Bezahlen wir für die ausgeprägtere Datenhoheit im Internet damit einen hohen Preis? Macht die DSGVO die mächtigen Datensammler noch mächtiger? Diese Gefahr besteht tatsächlich. Aber die Antwort darauf darf nicht lauten, die Neuregelung und unsere neue digitale Selbstbestimmung wieder aufzuweichen, wie mancher DSGVO-Gegner nach der Studie eilig postulieren dürfte.

Das käme einer politischen Kapitulation vor Google gleich. Wir müssen stattdessen genau prüfen, wie groß der Machtzuwachs ausfällt, wie Google damit umgeht – und im Zweifel wettbewerbsrechtlich einschreiten.

Und wir müssen über innovative Instrumente zur Machtbegrenzung wie das „Daten-für-alle“-Gesetz diskutieren, das ich vorerst skeptisch sehe. Der einfachste Weg wäre allerdings, wenn wir Internetnutzer endgültig und umfassend die Hoheit über unsere Daten übernehmen, indem wir sie selbst an Werbetreibende vermarkten. Auch dies ermöglicht die DSGVO.

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