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Wie Künstliche Intelligenz & Datenschutz zusammenpassen 16/11/2018. Wer hätte das vor ein paar Monaten gedacht: Die Bundesregierung debattiert über eine KI-Strategie – und kaum jemand fordert eine Aufweichung der DSGVO. Das macht Hoffnung.

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Die schwarz-rote Koalition hat in dieser Woche auf einer zweitägigen Digital-Klausur einen Aktionsplan beschlossen, durch den Deutschland zu einem führenden Standort für Künstliche Intelligenz (KI) werden soll. Was mich in diesem Zusammenhang überrascht hat: Kaum jemand hat während der Debatte gefordert, die EU-Datenschutz-Grundverordnung aufzuweichen.

Dabei galt die DSGVO vielen vor wenigen Monaten noch als Innovationsbremse und Ausweis europäischer Technologiefeindlichkeit; die weitverbreiteten Tiraden rund um das Inkrafttreten Ende Mai erweckten bisweilen den Eindruck, als sei der europäische Datenschutz der Todesstoß für den Digital- und KI-Standort.

Doch nun gab es aus der Wirtschaft Lob für die KI-Strategie, die dem von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) vorgezeichneten Weg folgt, Innovationskraft und informationelle Selbstbestimmung gleichermaßen zu stärken. So bezeichnete Telekom-Technologiechefin Claudia Nemat Europas digitale Ethik als Wettbewerbsvorteil (was immer mehr Tech-Manager ähnlich sehen).

Bürgerrechte und Fortschritt nicht gegeneinander ausspielen

Und auch die Wirtschaftsverbände zeigten sich vorsichtig optimistisch. Der Bundesregierung sei ein „wichtiger Schritt“ gelungen, lobt etwa der Bundesverband Digitale Wirtschaft – und zielte damit insbesondere auf den in der KI-Strategie festgelegten Grundsatz, den Datenaustausch zwischen Unternehmen zu erleichtern und der Wirtschaft mehr öffentliche Daten zur Verfügung zu stellen.

Ich halte das ebenfalls für einen ganz wichtigen Aspekt. Wir sollten streng bei Privatem bleiben und zugleich großzügiger sein, wenn Daten wirkungsvoll anonymisiert und pseudonymisiert sind. Denn so können wir beides verbinden: Die Unternehmen mit genug hochwertigen Daten versorgen, um KI-Systeme zu trainieren – und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung schützen.

Anders formuliert: Wir müssen Bürgerrechte und technischen Fortschritt nicht gegeneinander ausspielen. Im Gegenteil – langfristig bedingen sie sich gegenseitig, weil sich Innovationen nicht etablieren werden, wenn Bürger kein Vertrauen entwickeln.

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