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E-Privacy: Der nächste Kampf ums freie Internet 05/04/2019. Die neuen EU-Regeln gegen exzessives Webtracking lassen weiter auf sich warten. Wie schon bei den Uploadfiltern kollidieren die Interessen von Verlagen mit der Freiheit im Internet.

Datenschutz im Netz| Ansichten: 170

Fühlen Sie sich frei, wenn sie zwar überall hingehen können, aber dabei auf Schritt und Tritt verfolgt werden? Ich nicht. Und deshalb wünsche ich mir klare Regeln gegen das Webtracking: Derzeit können uns Unternehmen weitgehend ungehindert durchs Internet folgen und mit Hilfe von „Cookies“ aufzeichnen, welche Seiten wir besuchen und wie lange wir verweilen.

Mit der eDatenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben wir zwar die Vorgaben für Cookies verschärft und einige Verfolger abgeschüttelt. Aber die meisten sind weiter aktiv, und viele Nutzer billigen dies beim Besuch einer Webseite per Mausklick oder schlicht durch Weitersurfen.

Dagegen ist erstmal nichts einzuwenden, denn oft dienen Cookies vor allem dazu, die Webseite zu verbessern und die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen (wie auf dieser Seite). Aber in vielen Fällen geht es darum, exzessiv Daten zu sammeln – zum Beispiel für personalisierte Werbung.

Privacy by Design: Datenschutz muss einfach sein

Ich halte es deshalb für richtig, dass die EU in Form der E-Privacy-Verordnung strengere Regeln plant. So sollen Nutzer Webtracking künftig pauschal unterbinden können – mit wenigen Klicks in den Voreinstellungen ihres Browsers. Wer seine Privatsphäre schützen will, müsste dann nicht auf jeder Webseite widersprechen. Datenschutz darf eben weder aufwändig noch kompliziert sein.

Doch leider stockt die Reform: Laut einem Bericht von netzpolitik.org sind „in den nächsten Monaten keine Fortschritte zu erwarten“. Das liege auch an der Bundesregierung, die „ihre Freunde in der Verlagsbranche nicht verprellen“ wolle und deshalb zum Beispiel vorgeschlagen habe, das Verbot von „Tracking-Walls“ zu streichen.

Ich habe vor einigen Monaten bereits darauf hingewiesen, dass die Verlage hier besondere Interessen verfolgen und kräftig Lobbyarbeit machen, um ihr Werbegeschäft zu schützen.

Uploadfilter & Tracking: Angriff auf die Freiheit?

Die Situation erinnert mich damit an die Urheberrechtsreform: Auch hier fordern Verlage Vorgaben, die das Potenzial haben, die Freiheit im Internet einzuschränken (in Form von „Uploadfiltern“, die womöglich nicht nur urheberrechtlich geschützte, sondern auch etliche andere Inhalte blockieren).

Jetzt drängen sie zudem darauf, uns weiter weitgehend ungehindert im Netz „tracken“ zu können. Das empfinde ich ebenfalls als Einschränkung meiner Freiheit. Denn ich fühle mich eben nicht frei, wenn ich ständig verfolgt werde und Verfolger aufwändig abschütteln muss.

Und ich frage mich: Wo sind eigentlich die Freiheitskämpfer unter Deutschlands Verlegern? Infolge der Medienkrise scheint es den meisten wichtiger sein, Geschäftsinteressen zu verteidigen.

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