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Digitalisierung: Menschen befähigen statt ruhigstellen 29/05/2019. Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens argumentieren gerne mit sozialer Gerechtigkeit. Ich meine: Es ist weitaus sozialer, die Teilhabe am Berufsleben zu fördern.

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Wenn wir dem Philosophen Richard David Precht glauben, müssen wir uns auf düstere Zeiten einstellen. Angesichts von Digitalisierung und Automatisierung drohe eine „Massenarbeitslosigkeit“, wie sie die Bundesrepublik seit ihrer Gründung nicht erlebt habe – mit einem „Millionenheer von Abgehängten“ und einem „Arbeitsadel, der seine Kinder auf Privatschulen schickt“.

Precht plädiert deshalb für ein „bedingungsloses Grundeinkommen“, das überraschenderweise auch einige Manager fordern. Wobei ich allerdings den leisen Verdacht hege, dass sie damit ein Stück weit für anstehende Entlassungen vorbeugen wollen. Wenn der Staat mit neuen Transfers einspringt, beruhigt das schließlich das Gewissen und dämpft Widerstände von Gewerkschaften.

Ich bin ein Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens. Wenn wir große Teile der Gesellschaft zurücklassen und ruhigstellen, wird irgendwann der Zusammenhalt schwinden. Zudem bin ich fest überzeugt, dass die meisten Menschen nur glücklich werden, wenn sie sich einbringen und am Berufsleben teilhaben können.

Es ist deshalb meines Erachtens weitaus sozialer, Menschen zu befähigen, als sie abzuschreiben und zu alimentieren.

Digitale Bildungsarena, Midlife-Bafög, Unis als Zentren der Weiterbildung

Keine Frage: Auch wenn ich bei Weitem nicht so schwarz sehe wie Precht, ist diese „Befähigung“ ist angesichts des rasanten digitalen Wandels eine große Herausforderung. Zahlreiche Berufe verändern sich grundlegend, etliche Aufgaben werden obsolet. Eine der wichtigsten staatlichen Aufgaben der nächsten Jahre ist es deshalb, Weiterbildungen zu erleichtern und zu fördern.

Ein erster, zaghafter Schritt in die richtige Richtung war das Qualifizierungschancen-Gesetz von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD): Seit Jahresbeginn müssen die Arbeitsagenturen Weiterbildungen deutlich öfter finanzieren als früher.

Aber das wird nicht annähernd reichen, weitere entschlossene Schritte müssen folgen – und zwar schnell. FDP-Chef Christian Lindner hat dazu wichtige Vorschläge gemacht. Sie reichen von einer digitalen Bildungsarena über ein „Midlife-BaföG“ bis hin zu einer neuen Hochschulpolitik, die Universitäten zu Zentren des lebenslangen Lernens macht.

Ich meine: Das ist der richtige Weg. Liberale glauben an die Menschen und sind deshalb sozialer als einige, die sich zum Beschützer der Benachteiligten aufschwingen.

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