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Autonomes Fahren: Der Preis der Privatsphäre 05/06/19. Wer häufig den Autopiloten einschaltet, dürfte in Zukunft niedrigere Prämien für die KfZ-Versicherung zahlen. Wird Datenschutz zum Luxus?

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Die „Telematik-Tarife“ der KfZ-Versicherungen, bei denen sich die Prämie am Fahrverhalten orientiert, haben sich als Rohrkrepierer entpuppt. Offenbar sind nur wenige Autofahrer bereit, sensible Daten mit den Assekuranzen zu teilen. Mich überrascht das nicht, weil die Informationen eine Menge über uns verraten; neben Bewegungsprofilen sind sogar Rückschlüsse auf den Charakter sind möglich.

Das (teil-)autonome Fahren könnte jetzt aber zu einer überraschenden Trendwende führen. Denn auch, wenn der Autopilot keineswegs unfehlbar ist – er ist zuverlässiger als ein menschlicher Fahrer. Wer ihn häufig einschaltet, senkt damit das Unfallrisiko. Der Elektroauto-Pionier Tesla bietet deshalb bereits KfZ-Versicherungen mit „Autopilot-Rabatt“ – bislang mit Hilfe von Kooperationspartnern.

Doch Ende April hat Firmenchef Elon Musk angekündigt, künftig selbst als Versicherer zu fungieren. Dazu will er in Kürze eine eigene Police vorstellen, deren Prämie sich am Fahrverhalten orientiert. Die detaillierten Fahrdaten, die Tesla über seine Kunden vorliegen, sollen demnach „in die Versicherungsraten einfließen“. Auch hier dürfte der Autopilot-Rabatt eine zentrale Rolle spielen.

Wird das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ausgehöhlt?

Ich finde das aus zwei Gründen bedenklich. Erstens: Die Tesla-Initiative zeigt, dass Autohersteller einen erheblichen Wettbewerbsvorteil haben. Denn dank ihres umfassenden und direkten Zugriffs auf Daten können sie Risiken besser kalkulieren – und Versicherer vom Markt verdrängen. Damit drohen Wettbewerbsbeschränkungen und höhere Preise. Wir müssen deshalb ein Autodaten-Monopol verhindern.

Zweitens: Bereits um den Autopilot-Rabatt zu bekommen, müssen Kunden einem umfassenden Datenaustausch und der Übermittlung sensibler Informationen zustimmen. Schließlich muss die Assekuranz mindestens wissen, wie oft der Computer das Steuer übernimmt.

Damit entstehen durch autonomes Fahren starke finanzielle Anreize, auf Privatsphäre zu verzichten. Datenschutz könnte schlimmstenfalls zum Luxus-Gut für Privilegierte werden, was das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aushöhlen würde. Ich bin deshalb sehr gespannt, wie die vollmundig angekündigte Tesla-Versicherung im Detail aussieht – und wie sie datenschutz- und verfassungsrechtlich zu bewerten ist.

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