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Digitalisierung: Droht Europa ein Exodus der Startups? 22/11/2019. Im Systemwettbewerb mit den USA und China gilt es, deutlich mehr europäisches Kapital für digitale Wachstumsunternehmen mobilisieren. Sonst wandern innovative Tech-Firmen ab.

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Zur digitalen Souveränität Europas im weiteren Sinne gehört die Fähigkeit, innovative Unternehmen aus eigener Kraft zu finanzieren. Doch davon sind wir weit entfernt. So warnte der Venture-Capital-Spezialist Klaus Hommels bereits vor einigen Monaten vor der Dominanz von Investoren aus den USA und Asien, die Milliarden in europäische Startups pumpen.

Das berge die Gefahr, „dass in wenigen Jahren mächtige internationale Geldgeber die Zukunftsbranchen in Europa beherrschen“, sagte er dem Handelsblatt. Diese könnten mitentscheiden, in welchen Welt-Regionen Wachstumsunternehmen investieren und Arbeitsplätze schaffen. Am Ende könnte dann eine Abwanderung oder ein Verkauf ins Ausland stehen.

Damit droht ein schleichender Exodus aus Europa. Im geopolitischen Systemwettbewerb mit den USA und China wäre das ein schwerer Rückschlag.

Industriepolitik für Gründer statt für Giganten 

Es muss deshalb ein elementarer Pfeiler der Industriepolitik sein, wesentlich mehr europäisches Kapital für Startups und Wachstumsunternehmen zu mobilisieren. Ich begrüße deshalb sehr, dass sich die Koalitionäre im November auf einen Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der zehn Milliarden Euro schwer werden und Start-ups unter die Arme greifen soll.

Gründer unterstützen statt „Tech-Champions“ pämpern – das ist aus meiner Sicht der richtige Ansatz. Und ich hoffe, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sich damit endgültig von seiner Idee abwendet, europäische Giganten zu formen.

Die Bundesregierung sollte allerdings nicht nur eigene Fonds initiieren, sondern deutschen Pensionskassen und Versicherungen zudem in höherem Umfang Investitionen in Wachstumsunternehmen ermöglichen. Dazu müssten wir die Anlageregularien entschlacken. Sinnvoll wäre zudem, wenn der Staat in bestimmten Fällen einen Teil des Risikos übernimmt – in Form einer Art Hermesbürgschaft für Investitionen in Wachstumsunternehmen.

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