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Corona-Krise: Höhepunkt des Plattform-Kapitalismus? 05/06/2020. Amazon, Google & Co. spielen derzeit ihre Marktmacht aus. Das könnte das Fass zum Überlaufen bringen: Politiker und Regulierer holen zum Gegenschlag aus – hoffentlich mit Erfolg.

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Apple und Google machen EU-Staaten Vorgaben für Corona-Apps. Amazon priorisiert Waren nach Gutsherrenart (womöglich zulasten von Dritthändlern). Und Uber fühlt sich in der Krise nicht für seine (formal selbstständigen) Fahrer verantwortlich.

In der Corona-Krise zeigt sich besonders deutlich, wie groß die Marktmacht der Plattformkonzerne bereits ist: Zahlreiche Unternehmer und Geschäftspartner haben sich in eine gefährliche Abhängigkeit begeben. Sogar politische Entscheidungsträger müssen sich dem Diktat der Tech-Giganten beugen.

Und diese könnten infolge der Corona-Krise noch mächtiger werden. Schließlich dürften einige aufstrebende IT-Unternehmen und andere Konkurrenten die Krise nicht überstehen.

Bundeskartellamt ist bereits aktiv

Dennoch bleibe ich optimistisch, dass es mittelfristig gelingt, die Tech-Konzerne auszubremsen und den Wettbewerb zu beleben. Womöglich erleben wir derzeit sogar den Höhepunkt des Plattform-Kapitalismus. Denn das Gebaren von Amazon & Co. ruft weltweit Politiker und Wettbewerbshüter auf den Plan und dürfte bereits angeschobene Regulierungsoffensiven beschleunigen.

So hat das Bundeskartellamt jüngst offiziell nachgehakt, welche Kriterien Amazon bei „Priorisierungsentscheidungen zugrunde gelegt“. Händler hegen den Verdacht, dass der Konzern seine Eigenmarken zu ihren Lasten begünstigt. Wegen dieses Interessenkonflikts hat die EU-Kommission bereits 2019 ein Kartellverfahren gegen Amazon eingeleitet.

Eine weitere wichtige Initiative ist das geplante GWB-Digitalisierungsgesetz, das die Datenhoheit der Verbraucher stärken soll: Sie sollen in Zukunft ihre Daten mit wenigen Klicks zu einem anderen Anbieter übertragen können.

Schlüssel zu fairem Wettbewerb

Das ist für mich ein Schlüssel zu fairem Wettbewerb in der digitalen Ökonomie. Denn die vermeintliche Detail-Vorschrift würden es Wettbewerbern erleichtern, den Platzhirschen Kunden abzujagen. So wären kleinere Handelsplattformen nach der Daten-Übertragung in der Lage, Kunden genauso passende Kaufvorschläge zu machen wie Amazon.

Auch an anderen Fronten geraten Digitalkonzerne unter Druck: Ihnen drohen strenge Algorithmen-Kontrollen, effektivere Steuervorschriften sowie steigende Kosten durch höhere Sozialstandards. Sicher: Noch sind die Giganten und der Plattform-Kapitalismus längst nicht gebändigt; bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Aber derzeit reift auf breiter Front die Erkenntnis, dass dies dringend nötig ist – zum Wohle des (Innovations-)Wettbewerbs und des Standorts Europa. Denn nur durch klare Leitplanken für Tech-Giganten können wir unsere mittelständische Wirtschaft stärken – und die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft in die digitale Ökonomie übertragen.

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