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Datenschutz im Auto: Wer bremst Alexa? 23/06/2020. Der neue Amazon-Sprachassistent für Autofahrer zeigt eindrucksvoll: Es ist wichtiger denn je, Daten-Monopole zu verhindern – auch im Interesse der deutschen Automobilindustrie.

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Alexa ist jetzt auch im Auto dabei: Seit wenigen Tagen verkauft Tech-Gigant Amazon hierzulande den „Echo Auto“. Für 60 Euro lässt sich fast jedes Fahrzeug mit der smarten Sprachsteuerung nachrüsten, die Fahrer dann mit der Stereoanlage oder dem Smartphone verknüpfen können.

Es wäre sicher überzogen, in diesem Zusammenhang von einem „Lauschangriff“ zu sprechen. Aber der neue mobile Sprachassistent zeigt, mit welcher Vehemenz die Daten-Giganten ins Auto drängen. Alexa ist dabei nur eine Art Vorhut: Ziel der Tech-Konzerne ist, immer mehr eigene Software in die Fahrzeuge zu integrieren – und dadurch Daten zu erbeuten.

Der Kampf um die Daten, die rund ums Fahrzeug entstehen, erreicht damit eine neue Qualität. Die Autohersteller, die sich noch in der Pole Position befinden, geraten unter Druck. Doch all jenen, die das große Geschäft wittern, sei klar gesagt: Es sind UNSERE Daten. Wir, die Halter und Fahrer, müssen frei entscheiden können, wem wir unsere personenbezogenen Daten übermitteln.

Doppelter Wettbewerbsvorteil

Davon sind wir derzeit weit entfernt. Die Automobilhersteller haben sich bislang die faktische Datenhoheit gesichert. Und jetzt kommt auch noch Alexa, die mangels „Privacy-by-Design“ häufig eine Vielzahl von Informationen absaugt. Ich bin überzeugt: Wir brauchen dringender denn je klare Regeln, damit wir nicht nur formal über unsere persönlichen Daten bestimmen können.

Das wäre mittelfristig auch im Interesse der europäischen Automobilindustrie (inklusive Zulieferer und Werkstätten). Denn hohe Datenschutz-Standards könnten sich als veritabler Wettbewerbsvorteil entpuppen – und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Weil sich Tech-Giganten aus Übersee dann schwerer tun, ihre Stärken auszuspielen. Und weil Datenschutz Vertrauen in Innovationen schafft.

Noch sieht es jedoch nicht danach aus, als hätten Deutschlands Automanager diese Chance erkannt. Langfristiges Denken scheint in der Branche immer noch die Ausnahme zu sein.

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