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Mobilitätsplattform: Klima- und Datenschutz im Doppelpack 15/10/2020. Mit intelligenter Industriepolitik können wir verhindern, dass Tech-Konzerne in Amazon-Manier den Mobilitätsmarkt dominieren und dadurch die Verkehrswende bremsen. Worauf es jetzt ankommt.

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„Datenraum Mobilität“ – das klingt sperrig, aber hinter dem Begriff verbirgt sich eine spannende Open-Data-Initiative, die die Bundesregierung in Abstimmung mit der Automobilindustrie und anderen Beteiligten vorantreibt. Sie hat das Potenzial, unsere Mobilität tiefgreifend zu verändern und die Verkehrswende zu beschleunigen.

Im Kern geht es darum, Mobilitätsdaten von Bus- und Bahnbetreibern, Autoherstellern und anderen Mobilitätsanbietern zusammenzuführen. Mit Hilfe dieses Datenschatzes könnten wir den Bedarf sehr viel genauer ermitteln und Lücken sinnvoll schließen, sei es durch neue Bahnverbindungen, Sharing-Angebote oder Pop-Up-Radwege.

Zudem wäre der „Datenraum Mobilität“ eine optimale Grundlage für eine Mobilitätsplattform bzw. App, auf der wir mit wenigen Klicks autofreie Reisen planen und buchen können – mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln von der U-Bahn bis zum Elektro-Roller.

Warum jetzt der Staat gefragt ist

Gibt’s längst, sagen sie? Aber es sind bislang meist nur private Unternehmen, die solche Apps als „Insellösungen“ anbieten. Und in der Regel verfolgen sie eigene Interessen: Autokonzerne wollen Kunden für ihre Carsharing-Angebote akquirieren, Taxi-Vermittler ihre Chauffeure beschäftigen. So legen US-Studien nahe, dass die Mobilitätsplattformen von Uber & Co. für mehr Autoverkehr und Staus sorgen.

Zudem sehe ich die Gefahr, dass auch bei der Mobilität die Mechanismen der Plattform-Ökonomie greifen: Ein Konzern etabliert sich als Gatekeeper, diktiert die Regeln und wird immer mächtiger und profitabler – zulasten anderer Anbieter und letztlich auch der Kunden.

Deshalb ist an dieser Stelle der Staat gefragt: Wir brauchen eine staatlich initiierte und betriebene Plattform, die nicht den Interessen Weniger, sondern dem Wohl Aller dient. Das heißt vor allem, dass der Betreiber Daten nicht nutzt, um lukrative Geschäfte zu machen. Sonder um die Verkehrswende und damit den Klimaschutz zu fördern.

Warum Datentreuhänder so wichtig sind

Die geplante Cloud für Mobilitätsdaten ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind noch zahlreiche Hürden zu überwinden. So müssten neben Autoherstellern auch Bahn- und Busbetreiber, kommunale Verkehrsbetriebe und andere Anbieter Daten liefern, um eine zuverlässige Informationsbasis zu erhalten.

Zudem ist die Bundesregierung gut beraten, den Autokonzernen auf die Finger schauen. Denn bislang sind sie nicht durch übermäßige Bereitschaft aufgefallen sind, Daten zu teilen. Im Gegenteil: Sie haben dafür gesorgt, dass Daten aus dem Auto zunächst auf ihren eigenen Servern landen – eine intransparente und wettbewerbsfeindliche Lösung.

Ein entscheidender Faktor sind schließlich unabhängige Datentreuhänder, die sicherstellen, dass beim Umgang mit Mobilitätsdaten höchste Datenschutz-Standards gelten. Das heißt auch, dass der Staat keinen zweckwidrigen Datenzugriff hat. Denn nur dann kann die Plattform zu einem „Trust Center“ werden, das Vertrauen schafft und deshalb auf breiter Front genutzt wird.

Klima- und Datenschutz gehören an dieser Stelle untrennbar zusammen.

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