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Serie: 50 Jahre Freiburger Thesen (IV) 05/03/2021. Neben der Vermögens- und Eigentumsbildung ist Qualifizierung ein zentrales Element, um Menschen aus der Abhängigkeit zu befreien. Auch sie gewinnt in der digitalen Ökonomie rasant an Bedeutung.

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„Liberalismus nimmt Partei für Fortschritt durch Vernunft. Er tritt ein für die Befreiung der Person aus Unmündigkeit und Abhängigkeit.“ (Freiburger Thesen, 1971)

Schwerpunkt der Freiburger Thesen war die Eigentums- und Vermögensbildung (zu der die FDP gerade mit der Aktienrente einen richtig guten Vorschlag gemacht hat). Aber auch darüber hinaus war das Programm von der liberalen Überzeugung geprägt, dass jeder die Chance auf Aufstieg und Entfaltung haben muss.

Dieser Geist ist in der digitalen Ökonomie wichtiger denn je – und damit ein weiterer Beleg für die Aktualität der Freiburger Thesen.

Denn wer Untergangspropheten wie Richard David Precht lauscht, könnte glauben: Wir werden bald allesamt von intelligenten Maschinen ersetzt. Massenarbeitslosigkeit ist unvermeidbar, und wir müssen die Überflüssigen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ruhigstellen. Alimentieren statt qualifizieren, lautet die Devise vieler Zukunftsskeptiker.

„Nach dem Grundsatz: Die Gesellschaft sind wir alle! erstrebt der Liberalismus die Demokratisierung der Gesellschaft durch größtmögliche und gleichberechtigte Teilhabe aller an der durch Arbeitsteilung ermöglichten Befriedigung der individuellen Bedürfnisse und Entfaltung der persönlichen Fähigkeiten.“ (Freiburger Thesen, 1971)

Und wie soll das Ganze finanziert werden? Am liebsten mit „Robotersteuern“, die Unternehmen belasten und den technischen Fortschritt bestrafen.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang, den Wirtschaftsnobelträger Robert Shiller zu lesen. In seinem Bestseller „Narrative Economics“ zeigt er, dass sich Precht‘sche Narrative in der Wirtschaftshistorie immer wieder verbreitet haben. Schon vor 200 Jahren riefen britische „Luddisten“ und schlesische Maschinenstürmer zur Sabotage mechanischer Webstühle auf.

Doch stets zeigte sich mit der Zeit: Die Angst vor der Überflüssigkeit war – zumindest auf gesamtwirtschaftlicher Ebene – unberechtigt. Stets entstanden mit dem technischen Fortschritt neue Aufgaben und Jobs.

„Nicht nur auf Freiheiten und Rechte als bloß formale Garantien des Bürgers gegenüber dem Staat, sondern als soziale Chancen in der alltäglichen Wirklichkeit der Gesellschaft kommt es ihm [dem Sozialen #Liberalismus] an.“ (Freiburger Thesen, 1971)

Statt Innovation zu sanktionieren, sei es mit Sabotage oder Robotersteuern, muss die Devise deshalb lauten: Qualifizieren, qualifizieren, qualifizieren. Glauben wir an die Menschen und ihre Fähigkeiten, verteilen wir Angelruten statt Fische. Machen wir Arbeitnehmer fit fürs digitale Zeitalter – und erneuern wir damit zugleich das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft.

Die FDP hat dazu gute Ideen und Konzepte, zum Beispiel Freiraumkonten zur Weiterbildung, das Midlife-BaföG sowie eine digitale Bildungsarena. Das zeigt: Der Freiburger Geist lebt.

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