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Greensill-Bank: Was die BaFin jetzt ändern muss 19/04/2021. Der Skandal hat auch offenbart, welche Risiken Online-Zinsportale bergen. Das hat die Finanzaufsicht zu spät erkannt, weil sie offenbar noch nicht im FinTech-Zeitalter angekommen ist.

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Die Schließung der Greensill-Bank durch die BaFin war nur auf den ersten Blick Ausdruck einer konsequenteren Linie. Denn meines Erachtens hätten die Aufseher schon deutlich früher misstrauisch werden müssen. Schließlich stiegen die Einlagen bei Greensill schon 2019 wegen ungewöhnlich attraktiver Zinsen rasant.

Damit gab es gute Gründe, genauer hinsehen und vor allem das Risikomanagement zu prüfen. Aber offenbar haben die Aufseher die Dynamik des Finanzmarkts im digitalen Zeitalter unterschätzt: Online-Zinsplattformen lenken inzwischen erhebliche Beträge zu Anbietern, die die besten Zinsen bieten. Das Problem für die Anleger besteht darin, dass die Seriosität der Angebote sowie die Absicherung der Einlagen häufig nicht transparent erkennbar sind.

Umso wichtiger ist es, den Markt systematisch zu beobachten – und im Zweifel Sonderprüfungen zu veranlassen, wenn Banken mit Kampfkonditionen locken. Bleibt zu hoffen, dass die neue BaFin-Spitze die richtigen Schlüsse zieht und die Behörde endlich ins FinTech-Zeitalter führt.

Städten und Steuerzahlern drohen hohe Verluste

Denn machen wir uns nichts vor: Die Serie von Skandalen um Greensill und Wirecard hat dem Ruf des Kapitalmarkts und damit des Wirtschaftsstandorts Deutschland erheblich geschadet (siehe dazu auch dieses Interview von Finanzwende-Gründer Gerhard Schick). Es ist deshalb gleichermaßen im Interesse von Verbrauchern und Wirtschaft, dass die BaFin endlich besser wird – mit Blick auf digitale Kompetenzen, aber auch durch eine Abkehr vom formaljuristischen Habitus.

Aber auch die Greensill-Kunden müssen richtigen Lehren aus dem Skandal ziehen und vorsichtiger agieren, wenn die Finanzaufsicht sie schon nicht ausreichend vor unseriösen Angeboten schützt. Das betrifft vor allem Städte und Gemeinden, die Geld bei der Greensill-Bank gebunkert haben. Denn bei ihnen greift, anders als bei Privatanlegern, weder die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) noch der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken (BdB).

Verantwortliche sollten deshalb jetzt nicht nur prüfen, ob sie Verluste verhindern bzw. Schadensersatz durchsetzen können (weitere Informationen finden Sie hier). Zugleich gilt es zu verhindern, dass sich Vergleichbares wiederholt – auch und vor allem im Interesse der Steuerzahler.

Solidarische Lösung: Interkommunale Kredite

Statt auf Nischenbanken zu setzen, sollten Städte und Gemeinden deshalb neue Wege gehen – und zwar mit interkommunalen Krediten (siehe dazu mein Gastbeitrag in der Zeitschrift „Der neue Kämmerer“).

Denn wenn wohlhabende Städte und Gemeinden ungenutzte Gelder anderen Kommunen zur Verfügung stellen, wäre das eine Win-Win-Situation: Die „Geber“ würden Negativzinsen vermeiden, und die „Nehmer“ müssten keine – deutlich teureren – Bankkredite aufnehmen. Zum Ärger der Kämmerer scheiterten derartige Geschäfte bisher jedoch oft an bankaufsichtsrechtlichen Hürden.

Ich bin jedoch überzeugt: Nach dem Greensill-Skandal hat die BaFin allen Grund, an konstruktiven Lösungen mitzuarbeiten und die Regeln nicht länger formaljuristisch-restriktiv auszulegen. Kämmerer sollten deshalb jetzt den Abschluss interkommunaler Kredite intensiv prüfen und die Finanzaufsicht dabei einbeziehen.

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