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Fake News kontern mit ARD & ZDF 07/05/2021. Um seinen Bildungsauftrag zu erfüllen, sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Informations- und Wissensdatenbank aufbauen – und mit gezielten Angeboten für lebenslanges Lernen verknüpfen. Ein Vorschlag.

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Für viele Eltern ist es eine hochwillkommene Unterstützung zum Homeschooling: Seit Beginn der Corona-Krise stellen ARD und ZDF in ihren Mediatheken zunehmend Lern-Angebote bereit. Dazu gehören Geschichts- und Naturdokumentationen (siehe „Terra X plus Schule“) genauso wie kindgerecht aufbereitete politische Informationen.

Zahlreiche Eltern nutzen dieses Angebot rege. Denn sie vertrauen darauf, dass ihre Kinder statt Fake News Hochwertiges zu sehen bekommen (anders als in den Weiten des World Wide Web, auf YouTube, Tiktok & Co). Das zeigt, welches Potenzial die Öffentlich-Rechtlichen über das etablierte TV- und Radioprogramm hinaus haben – auch und gerade im digitalen Zeitalter.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, sollten ARD und ZDF ihren Bildungsauftrag weit auslegen und sich konsequent zu einem Wissens- und Bildungsanbieter entwickeln. Ein erster Schritt dazu wäre, eine Informations- und Wissensdatenbank zu wichtigen Themen aufbauen, eine Art Wikipedia 4.0 mit objektivierten Informationen und geprüften Fakten.

Warum wir eine neue Bildungsplattform brauchen

Das Schwarm-Konzept von Wikipedia ist mir zwar durchaus sympathisch, gerade in Kombination mit der Stiftungslösung. Aber am Ende bleibt die Gefahr der Manipulation hoch, etwa im Zuge von Fake-News- oder PR-Kampagnen. Ich habe selbst wiederholt erlebt, dass Wikipedia-Einträge falsche Informationen oder gar Verleumdungen enthielten.

Deshalb bin ich überzeugt, dass wir etwas Besseres brauchen – zumal die Bereitstellung von Informationen und Wissen eine öffentliche Aufgabe ist. Dabei darf sich der Staat im digitalen Zeitalter aber nicht mehr vor allem auf analoge Angebote in Schulen, Universitäten und Bibliotheken konzentrieren. Wir brauchen darüber hinaus eine zentrale Online-Plattform.

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk (ÖRR) wäre prädestiniert, eine solche Plattform aufzubauen und dort innovative Online-Lernangebote zu integrieren. Auf diese Weise könnten ARD und ZDF zu zentralen Akteuren der Nationalen Bildungsplattform werden, die 2023 an den Start gehen soll – eine wichtige Initiative, um Menschen im liberalen Sinne fürs digitale Zeitalter zu qualifizieren.

Offenes Ökosystem – unabhängig von der Politik

Über zwei Gefahren müssen wir natürlich reden. Erstens: die Verdrängung privater Anbieter, seien es Schulbuchverlage, Nachrichtenportale oder Bildungsdienstleister. Eine ÖRR-Plattform sollte deshalb als offenes Ökosystem konzipiert sein, dass weitere Angebote integriert (genau das ist bei der Nationalen Bildungsplattform der Fall).

Zweitens: der Missbrauch durch staatliche bzw. politische Akteure, schlimmstenfalls zu Propaganda. Auch wenn diese Gefahr vor allem von Rechtspopulisten und Querdenkern heraufbeschworen wird, dürfen wir sie nicht ignorieren. Schließlich würde Nähe zur Politik das Vertrauen in das Informationsangebot schwächen.

Wer den ÖRR in Fake-News-Zeiten aufwerten will, muss deshalb zugleich kritisch analysieren, wie groß der politische Einfluss auf die Verwaltungs- und Rundfunkräte ist. Dafür dürfte es sich lohnen, ein Worst-Case-Szenario durchzuspielen: Welchen Einfluss könnte ein AfD-Ministerpräsident auf die Aufsichtsgremien nehmen – und damit indirekt auf Intendanz und Inhalte?

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