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WebTalk: Verantwortungseigentum gegen Digital-Kapitalismus? 02/06/2021. Egal, wie man zur „GmbH mit gebundenem Vermögen“ steht: Die Debatte über verantwortungsbewusste Unternehmensführung ist wichtiger denn je – gerade aus liberaler Sicht.

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In der Auftaktveranstaltung zur Reihe „Recht auf Recht“, die Baum Reiter + Collegen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung auf den Weg gebracht hat, ging es am vergangenen Donnerstag um das Verantwortungseigentum.

Dabei handelt es sich, vereinfacht formuliert, um eine neue Rechtsform, die verantwortungsbewusstes Unternehmertum fördern bzw. erleichtern soll (gut aufbereitete Informationen finden Sie bei der Stiftung Verantwortungseigentum). Für mich ganz persönlich ist das Thema aus drei Gründen hochrelevant:

Erstens bin ich Unternehmer und überlege deshalb immer wieder, was verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln ausmacht (und welche Rechtsform dafür den optimalen Rahmen schafft).

 Zweitens bin ich Jurist und finde die Debatte auch auf fachlicher Ebene interessant und herausfordernd, gerade mit Blick auf Eigentümerrechte.

Drittens bin ich Liberaler und ein Anhänger der Sozialen Marktwirtschaft, deren Prinzipien mir im aktuellen Wirtschaftsgeschehen derzeit bisweilen zu kurz kommen. Ich denke da etwa an börsennotierte Unternehmen, die trotz massiver Rückendeckung durch den Staat jetzt horrende Managergehälter und Rekorddividenden zahlen. Oder an mächtige Tech-Konzerne, die Daten monopolisieren und den Wettbewerb aushebeln.

Kluge Antworten auf schwierige Rechtsfragen

Ich weiß, dass der konkrete Vorschlag einer „GmbH mit gebundenem Vermögen“ polarisiert – gerade unter Juristen. Aber womöglich können sich Gegner und Befürworter auf eine Sache einigen: Es ist gut, dass durch die Initiative eine breite Debatte über verantwortungsbewusste Unternehmensführung in Gang gekommen ist.

Und der WebTalk mit der Gesellschaftsrechtlerin Prof. Anne Sanders (Uni Bielefeld), dem FDP-Bundestagsabgeordneten Florian Toncar und dem Wirtschaftsjournalisten Daniel Schönwitz hat deutlich gemacht: Die Befürworter des Modells haben auf zahlreiche rechtliche Fragen kluge Antworten gefunden. So scheint mir die Sorge, die neue Rechtsform könne als Steuersparmodell missbraucht werden, überzogen.

Zudem scheint es mir gerade aus liberaler Sicht erstrebenswert, Unternehmern bei der Rechtsformwahl eine weitere Option einzuräumen. Das stärkt die unternehmerische Freiheit, zumal gilt: Jeder kann, keiner muss. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die Sache weiterentwickelt und danke allen Beteiligten auch auf diesem Wege nochmal für die fruchtbare Diskussion.

 

Hinweis: Auf unserem YouTube-Kanal können Sie sich eine Aufnahme der Debatte ansehen – bitte hier entlang.

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