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Big Tech: Und wenn die Blase platzt? 26/07/2021. Amazon, Facebook, Google und Co. geraten regulatorisch und steuerlich immer stärker unter Druck. Zugleich erstarken innovative Wettbewerber. Warum das auch die Finanzbranche betrifft.

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Auch auf die Gefahr hin, dass Sie mich für naiv halten: Ich kann mir vorstellen, dass die Big-Tech-Giganten den Zenit überschritten haben – und dass es nach Corona abwärts geht. Drei aktuelle Entwicklungen bestärken mich in dieser bereits geäußerten Vermutung:

Erstens: Strengeres Wettbewerbsrecht. Das Bundeskartellamt nutzt die neuen Optionen der seit Jahresbeginn geltenden GWB-Novelle: Die Behörde hat inzwischen Verfahren gegen Amazon, Apple, Google und Facebook eingeleitet.

Zweitens: Internationale Allianz. Die EU dürfte in Kürze mit dem Digital Markets Act und dem Digital Services Act nachziehen. Zudem wollen US-Regulierer Tech-Konzerne  künftig enger an die Kandare nehmen – und sich dabei mit der EU abstimmen (über das neue „Council on Trade and Technology“). Das haben beide Seiten im Juni vereinbart.

Drittens: Höhere Steuern. Ebenfalls im Juni haben sich die G7-Staaten auf eine globale Mindeststeuer geeinigt. Details sind zwar noch offen, aber die Initiative wird es digitalen Unternehmen erschweren, durch geschickte Standortwahl Steuern zu vermeiden.

Viertens: Neue Konkurrenten. Die Plattformökonomie wird vielfältiger. Von Konzernen wie Otto bis hin zu Startups wie Gorillas haben zahlreiche Unternehmen schlagkräftige Online-Portale etabliert. Damit erreicht die Digitalisierung eine neue Phase, in der „The-winner-takes-it-all“-Dynamiken offenbar nachlassen.

Der nächste Falschberatungsskandal?

Wenn diese Entwicklungen wie vermutet langfristig zu Einbußen bei Digitalkonzernen führen, wird das auch zahlreiche Privatanleger betreffen. Denn viele von ihnen haben in den letzten Jahren in Fonds investiert, in denen Big-Tech-Aktien ein hohes Gewicht haben. Das betrifft auch „Exchange Traded Funds“, die einen Index nachbilden (etwa den MSCI World).

Fondsmanager und Kundenberater müssten deshalb die neuen wettbewerbs- und steuerrechtlichen Entwicklungen sehr genau beobachten. Meine Erfahrung als Bank- und Kapitalmarktrechtler zeigt jedoch leider, dass sie im Zweifel allenfalls ein bis zwei Jahre in die Zukunft schauen – und die Wucht von Veränderungen unterschätzen.

Vorwürfe und Klagen wegen Falschberatung sind damit programmiert. Denn spätestens nach Lektüre dieses Beitrags kann niemand mehr behaupten, dass Risiken nicht absehbar gewesen seien 😉

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